Welt : Fürstliches für Bücher

Die Amalia-Bibliothek sammelt für den Aufbau

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Weimar 7,9 Millionen Euro Spenden sind bisher für den Wiederaufbau der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar gespendet worden. Die Verwüstung der Bibliothek durch einen Brand in der Nacht zum 3. September löste einen Schock aus. Unermesslicher Schaden entstand allein bei den Büchern, deren Bestand vor dem Brand eine Million zählte. 50000 Bände sind vernichtet, 62000 zum Teil schwer beschädigt. Im Weimarer Schlossmuseum kann man sich jetzt bis zum 17. Februar einen Eindruck über das Ausmaß des Brandes machen. Ausgestellt sind dort gerettete Bücher und Kunstwerke aus der 1691 gegründeten Bibiothek: Bücher mit Wasserflecken auf angekohlten Seiten, Folianten, deren lederne Rücken Hitze und Löschwasser brüchig werden ließ.

Nach Schätzung der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen kann die Bibliothek vielleicht schon 2007 wiedereröffnet werden, zum 200. Todestag der Namensgeberin. 18000 Menschen haben schon gespendet. Mit 15000 Euro trugen jüngst illustre Gäste des Grand Hotels Russischer Hof ihr Scherflein bei. Je 100 Euro spendierte die bunte Gesellschaft, die der in Paris lebende und sich zum englischen Königshaus zählende Lord Michael Anders-Cavendish zusammengetrommelt hatte.

Zur Belohnung durfte man den ansonsten jetzt allen verschlossenen Ort sehen. Schutt und Staub, verkohlte Balken und schwankende Planken, wo einst die Pracht des Rokokosaals dem Besucher den Atem verschlug. Ein längere Zeit unentdeckter Schwelbrand, so sagt Bibliotheksdirektor Michael Knoch, habe das verheerende Feuer ausgelöst. Es deute alles auf einen technischen Defekt hin, nicht auf Pflichtverletzung. „Ich war ein so genannter Baulöwe“, flüsterte der Berliner Bildhauer Karsten Klingbeil einer Frau zu, „da gab es auch viele Brände. Nicht einer aber war nicht auf menschliches Versagen zurückzuführen.“

Zum abendlichen Wohltätigkeitsball im Russischen Hof waren Gäste aus allen Windrichtungen in Weimar eingetroffen. Cavendishs Tischdame kam aus Belgien – Prinzessin Lea von Belgien ist die Schwägerin des Königs. Auch das prinzliche Paar Otto und Carla von Hessen, das Münchner Model Giulia Siegel, die Pianistin Chow Ching Ling aus Peking und Maya Langes-Swarovski gehörten zu der Gesellschaft, die sich in dem historischen Weimarer Hotel das Gala-Menü von Küchenchef Andreas Scholz schmecken ließ. Zum Dessertbuffet spendierte der aus Reims angereiste Präsident von Champagner Ruinart, Bernard Peillon, das prickelnde Getränk in Rosé. Weimars Oberbürgermeister Volkhardt Germer dinierte neben der bekanntesten Witwe Deutschlands, Tatjana Gsell. Dass er die Neuberlinerin nebst ihrem Gefährten Ferfried Prinz von Hohenzollern nach Weimar eingeladen hatte, sollte dem armen Lord Cavendish noch den Abend vermiesen. Bekam er doch per Telefon tüchtige Schelte – von der nicht eingeladenen Noch-Ehefrau Maja von Hohenzollern.

Dass Hellmut Seemann, als Präsident der Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen die Hauptperson des Abends, für „Anna Amalia“ unentschuldigt fehlte, stimmte den Lord nicht fröhlicher. In Deutschland will er erst einmal nichts mehr organisieren. hema

Stiftung Weimarer Klassik und Kunstsammlungen. Konto: 289002808, Deutsche Bank BLZ 820 700 00

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