Fukushima : Greenpeace: Strahlenbelastung steigt weltweit

Die Arbeiten in den Atomreaktoren von Fukushima machen nur langsam Fortschritte. Verstrahltes Wasser macht Probleme. Die Produktionsausfälle japanischer Unternehmen bekommen nun auch die deutschen Verbraucher zu spüren.

Große Mengen an radioaktiv verstrahltem Wasser erschweren die Arbeiten in der Atomruine Fukushima. Die Einsatzkräfte hoffen, schon bald Wasser aus einem Schacht des Reaktors 2 in einen Auffangbehälter abpumpen zu können, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Jiji Press am Montag. Sorge bereite hochgradig verstrahltes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht angesammelt hat. Es sei innerhalb eines Tages um drei Zentimeter gestiegen.

In den kritischen Reaktoren 1 und 3 maßen ferngesteuerte Roboter am Sonntag Strahlenwerte von bis zu 57 Millisievert pro Stunde, wie die Nachrichtenagentur Kyodo am Montag meldete. Das sei nach Angaben des Betreibers Tepco fast 6000 Mal höher als im Normalbetrieb des Reaktors. Die Verstrahlung verzögere die Arbeiten, erklärte der Tepco. In Deutschland bekommt ein Mensch jährlich etwa 2 Millisievert (2 Tausendstel Sievert) an natürlicher Hintergrundstrahlung ab.

Die Region um die Atomruine Fukushima ist nach Messungen der Umweltorganisation Greenpeace deutlich verstrahlt. In der Stadt Fukushima, rund 60 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt, seien noch bis zu vier Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, sagte Greenpeace-Experte Thomas Breuer nach einer Messkampagne am Montag in Hamburg. Ein Mikrosievert entspricht einem Tausendstel Millisievert.

Die Bevölkerung bekomme dort in 14 Tagen die höchste vertretbare künstliche Strahlendosis für ein Jahr ab. In zwei Dörfern der Region seien Werte von 7 bis 48 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden, dort erhielten die Bewohner bereits in zwei Tagen die Jahresdosis.

Breuer forderte die japanischen Behörden auf, die Menschen besser zu schützen. Es müsse über weitere Evakuierungen nachgedacht werden ebenso über Maßnahmen gegen den radioaktiven Staub. Spielplätze und Kindergarten sollten vielerorts geschlossen werden. "Das alles haben wir leider dort nicht gesehen", sagte Breuer.

Der Greenpeace-Experte Christoph von Lieven sagte, der Plan des Kraftwerkbetreibers Tepco zur Bekämpfung des Unfalls in den kommenden neun Monaten beruhe auf unbekannten Grundlagen. "Was Tepco hier sagt, ist einfach unseriös", sagte von Lieven. "Wir sind uns nicht sicher, ob wir damit nicht noch Jahre zu tun haben. Und das ist ein weltweites Problem. Wir werden weltweit eine erhöhte Strahlenbelastung haben", sagte der Umweltschützer.

Der Greenpeace-Fachmann warf Tepco vor, mit der Lage nicht zurande zu kommen. Die radioaktive Strahlung sei trotz der ergriffenen Maßnahmen weiter aus der Atomruine ausgetreten. "Die Evakuierungszone muss jetzt ausgeweitet werden, und zwar wirklich dringend."

Produktionsprobleme nach Erdbeben und Tsunami

Die Katastrophe in Japan wirkt sich auch auf den Konsum in Deutschland aus. Denn viele Unternehmen in dem krisengeschüttelten Land hatten ihre Produktion unterbrechen oder einstellen müssen. Bei Waren wie Kameras, Handys, Laptops oder LCD-Fernsehern, die auf Komponenten aus Japan angewiesen sind oder in dem Land gefertigt werden, seien ab Ende April merkliche Einschränkungen im Sortiment zu erwarten, schreibt die "Financial Times Deutschland" am Montag. Dies sei das Ergebnis einer Umfrage bei Herstellern und Händler. Auf noch längere Wartezeiten müssten sich Käufer von japanischen Autos einstellen.

Der weltgrößte Autobauer Toyota nahm unterdessen in allen japanischen Produktionsstandorten wieder die Arbeit auf. Der Autobauer hatte am 14. März die Produktion einstellen müssen. In Folge der Katastrophe im Nordosten und Osten des Landes gibt es Engpässe bei der Belieferung durch Toyotas Teilehersteller, wovon auch die Produktion im Ausland beeinträchtigt ist. Bis auf weiteres wird daher erstmal nur mit etwa halber Auslastung produziert, wie Toyota am Montag bekanntgab. Alle inländischen Werke würden zunächst bis zum 3. Juni arbeiten, danach werde man neu entscheiden. (dpa)

24 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben