Fukushima : Hohe Radioaktivität in Grundwasser unter AKW

Im Grundwasser unter dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima ist nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco eine starke Radioaktivität gemessen worden. 15 Meter unter der Anlage wurde ein 10.000-fach erhöhter Wert von Jod-131 festgestellt.

Die zerstörten Reaktorgebäude 1 und 2 des AKW Fukushima. Bisher hieß es nur in Reaktorblock eins sei es zu einer Kernschmelze gekommen. Nun bestätigt der Betreiber Tepco, dass die Brennstäbe auch in den Blöcken zwei und drei geschmolzen seien.Weitere Bilder anzeigen
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24.05.2011 07:40Die zerstörten Reaktorgebäude 1 und 2 des AKW Fukushima. Bisher hieß es nur in Reaktorblock eins sei es zu einer Kernschmelze...

Nach Angaben eines Tepco-Sprechers war am Mittwoch eine Probe aus dem Grundwasser unter Reaktor 1 entnommen worden. In der Probe seien 430 Becquerel pro Kubikzentimeter gemessen worden, sagte der Sprecher. "Es gibt keinen Zweifel, dass es sich um einen erhöhten Wert handelt", fügte er hinzu. Zugleich schloss er nicht aus, dass der Wert im Laufe des Freitags wieder revidiert werden könne.

Auch im Meerwasser nahe des Akw Fukushima war Jod-131 in großer Menge festgestellt worden. Am Donnerstag stellte Tepco eine Konzentration fest, die 4385 Mal über dem legalen Wert lag. Es handelte sich dabei um den höchsten gemessenen Wert seit Beginn der Atomkrise, die am 11. März durch ein Erdbeben der Stärke 9,0 und anschließenden Tsunami ausgelöst worden war.

Ebenfalls am Donnerstag berichtete das Gesundheitsministerium, die Behörden hätten in Rindfleisch aus der Präfektur Fukushima eine deutlich erhöhte Strahlung gemessen. Der Wert für Cäsium habe leicht über dem Grenzwert gelegen.

Wegen des Ausfalls der Kühlsysteme sind hunderte Arbeiter, Feuerwehrleute und Soldaten Tag und Nacht im Einsatz, um die Reaktoren mit Millionen Tonnen Wasser zu beschiessen. Damit soll die Temperatur des Brennmaterials unter dem Schmelzpunkt gehalten werden. Als Konsequenz des Einsatzes flossen allerdings große Mengen verseuchten Wassers in unterirdische Gänge und den nahegelegenen Pazifik.

Sarkozy beharrt auf Atomkraft

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verteidigte bei einem Besuch in Tokio die Atomenergie als wichtiges Instrument zum Klimaschutz. Sarkozy ist der erste ausländische Staatschef, der Japan seit der Atom-Katastrophe besucht. Die Welt brauche Atomkraft, um den Klimawandel zu bekämpfen, sagte er laut der Nachrichtenagentur Kyodo. Sarkozy forderte, dass die internationale Gemeinschaft über neue AKW-Sicherheitsstandards diskutieren sollte. Das Thema Sicherheit der Atomkraft müsse auch beim nächsten G-8-Gipfel Ende Mai in Frankreich zur Sprache kommen, sagte Ministerpräsident Naoto Kan. Japan werde aufgrund der Krise im Kraftwerk Fukushima Eins seine Atompolitik überprüfen, kündigte Kan an. Er regte an, Pläne zum Bau neuer Kernkraftwerke „grundlegend zu überdenken“.

Am Samstag wird auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) Japan besuchen. Mit dem Abstecher nach Tokio wolle er Deutschlands Solidarität mit dem schwer getroffenen japanischen Volk zum Ausdruck bringen.

Mittlerweile hat die Betreiberfirma des Krisen-AKW damit begonnen, verstrahlte Trümmer mit Kunstharz zu besprühen, musste die Versuche aber wegen Regens wieder stoppen. Mit dem Kunstharz will Tepco unter anderem die Ausbreitung von radioaktivem Staub verhindern.

Unterdessen ist eine weitere deutsche Riesen-Pumpe auf dem Weg nach Fukushima. Das Gerät des Pumpenherstellers Putzmeister soll bei der Kühlung der überhitzten Atommeiler in Japan helfen. Eine erste Putzmeister-Pumpe spritzt seit längerem Wasser auf die Reaktoren.

Vorerst keine Ausweitung der Sperrzone

Wegen der hohen Strahlenwerte im 40 Kilometer von Fukushima entfernten Ort Iitate hatte die Atomenergiebehörde IAEA in Wien geraten, den 7000-Einwohner-Ort zu räumen. Greenpeace hatte nach eigenen Messungen eine Ausweitung der Evakuierungszone rund um das AKW von 20 auf 40 Kilometer verlangt. Es gebe im Moment keine sofortigen Pläne für einen solchen Schritt, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Man werde aber den Boden um das AKW intensiver auf Strahlen untersuchen.

Die hohe Strahlenbelastung hat auch Folgen für die Aufräumarbeiten nach der Erdbebenkatastrophe vom 11. März. Bis zu 1000 Leichen konnten in Fukushima noch nicht geborgen werden, wie Kyodo unter Berufung auf die Polizei meldete. Die Leichen in der Evakuierungszone seien hoher Strahlung ausgesetzt gewesen. Man befürchte, dass Bergungsteams zu viel Strahlung abbekommen könnten.

Immerhin weht der Wind für die Menschen in der Millionen-Metropole Tokio derzeit günstig. Der größte Teil der radioaktiven Partikel, die aus dem Katastrophenkraftwerk Fukushima Eins frei werden, dürfte weiterhin auf den Pazifik getragen werden, sagten Wetterforscher voraus. Aber ein Teil ziehe am Sonntag entlang der Küste auch nach Süden und könne die Region Tokio-Yokohama erreichen.

Tausende Menschen werden immer noch vermisst

Rund drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben vom 11. März gehen im Nordosten Japans die Aufräumarbeiten weiter. Tausende Menschen werden noch vermisst. Etwa 11.400 Tote wurden bisher gezählt. Am Donnerstag wurde die Region erneut von einem starken Nachbeben erschüttert. Der Erdstoß hatte eine Stärke von 6,0.

Viele Überlebende der Beben- und Tsunami-Katastrophe harren weiter in Notlagern aus. Vor allem für die vielen alten Menschen ist es immer anstrengender, auf den harten Lagern in den Notunterkünften zu schlafen. In der Region regnet es immer wieder. Die Temperaturen liegen morgens immer noch um den Gefrierpunkt. Es werden zwar inzwischen Notbehausungen gebaut. Sie reichen aber noch nicht aus.
Auch Japans Kaiser Akihito steht den Opfern mit Gesten der Solidarität bei. Erstmals traf er direkt mit Überlebenden zusammen.

Zusammen mit seiner Frau Michiko nahm sich der Monarch eine Stunde Zeit, um in der Budokan-Halle der Hauptstadt rund 290 Flüchtlingen Trost zu spenden. Um auf gleicher Augenhöhe mit den Menschen zu sprechen, kniete sich der 77-jährige Kaiser vor den Opfern hin. (AFP/dpa)

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