Welt : Fußball ist Nebensache

Polnische Hooligans in Deutschland erwartet

Frank Jansen

Gespannt blicken die Sicherheitsbehörden auf das WM-Spiel zwischen Deutschland und Polen. Die zentrale Frage lautet: Ist nun der Moment gekommen, da die gefürchteten polnischen Hooligans mit schlagwütigen deutschen Fans zusammenprallen? Bei der Begegnung selbst, die am heutigen Mittwoch in Dortmund ausgetragen wird, erwarten Sicherheitskreise kaum Krawalle. „Zu viel Polizei am Stadion“, sagt ein Experte lakonisch. Das gelte auch für die Innenstadt. Doch es sei mit einer Massenprügelei deutscher und polnischer Hooligans „in einem Drittort“ zu rechnen. Wenn nicht am Mittwoch, dann an einem anderen Tag bis zur Heimreise der polnischen Nationalmannschaft. Und die ist frühestens nach dem 20. Juni zu erwarten, dem letzten Spiel der Polen in der Vorrunde.

Es gebe immer wieder Hinweise auf einen „Revanchekampf“ in Deutschland, sagen Sicherheitsexperten. Die deutsche Hooliganszene wolle die Niederlage vom November 2005 ausgleichen. Damals hatten sich in einem Wald nahe Frankfurt (Oder) etwa 50 Hools aus dem Umfeld des Vereins Lech Poznan mit gleich vielen Deutschen geprügelt. Letztere sahen alt aus. Obwohl es den Hooligans von der „Nordost-Fraktion“ nicht an Hau-drauf-Erfahrung mangelte, zumal fünf Neonazis aus Brandenburg mitmischten. Sicherheitsexperten halten es für denkbar, dass am Rande des Spiels zwischen Deutschland und Polen auf der Fanmeile in Berlin Hooligans beider Länder unauffällig den Revanchekampf verabreden. Der nicht dort, aber womöglich in den folgenden Tagen nahe Berlin ausgetragen wird.

Es scheint jedoch den deutschen und polnischen Sicherheitsbehörden bisher zu gelingen, eine Reise der allerhärtesten Hooligans aus Polen ins Nachbarland zu verhindern. „Die Schlimmsten sind nicht gekommen“, sagt ein Experte – aber auch so sei noch reichlich Gewaltpotenzial zu erwarten. Die polnische Polizei hat offenbar dem harten Kern signalisiert, dass er unter Beobachtung steht – auch in der Bundesrepublik, wo ebenfalls polnische Beamte im Einsatz sind. Außerdem wird an der deutschen Grenze streng kontrolliert. Am Montag spürte es eine Gruppe Kroaten. Die bayerische Polizei entdeckte in einem Zug nach München zehn Männer, die als „Gewalttäter Sport“ in Deutschland aufgefallen waren. Die Kroaten wurden sofort nach Österreich zurückgeschickt.

Dass deutsche Hooligans beabsichtigen, nach der im Wortsinn niederschmetternden Prügelorgie vom November 2005 eine Revanche auf heimischem Boden zu veranstalten, schließt „Rückkämpfe“ in Polen nicht aus. Es gebe Hinweise, dass deutsche Hooligans im Mai zu einer Prügelei in die polnische Grenzregion gefahren sind, sagt ein Sicherheitsexperte. Wer dann geplättet nach Hause fuhr, wissen die Behörden jedoch nicht.

Dass sich zumindest Teile der deutschen und polnischen Hooligans trotz der Blessuren, die man sich gegenseitig verpasst, ideologisch nahe stehen, zeigt ein Blick ins Internet. Auf der Homepage des internationalen Nazi-Skinhead-Netzwerks „Blood & Honour“ (die deutsche Sektion ist verboten) findet sich bei der polnischen Abteilung ein Link zu einer Gruppierung namens „Ofensywa“. Dort wird für Kleidung geworben, die Hooligans und Skinheads tragen. Ofensywa hat sich einen besonderen Reklamegag ausgedacht: Auf der düsteren Homepage prangt gleich oben das Logo der WM, mit dem Schriftzug „Deutschland 2006“.

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