Fußballwattmeisterschaft : "Die dreckigste WM aller Zeiten"

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hätte den Platz ganz sicher als "unbespielbar" abgelehnt. Aber die deutsche Nationalelf war bei der "1. Fußballwattmeisterschaft" ohnehin nicht gemeldet.

Brunsbüttel - Am Pfingstsonntag kämpften im Schlick vor Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nur Hobby-Kicker um den Titel. «Es war die dreckigste WM aller Zeiten», sagte Organisator Michael Behrendt. Rund 3000 spaßbegeisterte Besucher kamen, um die Freizeitsportler aus ganz Deutschland bei der «Wattolümpiade mit Fussballwattmeisterschaft» im Schlamm kämpfen, schwitzen, stolpern und versinken zu sehen.

Natürlich geht es bei der Watt-WM auch um Fußball. Doch vieles ist hier anders als beim offiziellen «Fifa World Cup». Das beginnt schon vor dem Anpfiff mit der bangen Frage, ob das raue Meer das Spielfeld pünktlich frei gibt. Denn spielen kann man nur bei Ebbe. Auch das Spielfeld selbst ist nicht wirklich genau abgegrenzt. «Wo das Wasser ist, ist definitiv aus», belehrt der «Stadionsprecher» die Akteure.

Rund zehn Minuten dauert jedes Match, suhlen sich die Akteure im Schlamm: Nicht Taktik und Ballgefühl, sondern geschmeidiger Schlick und glitschiger Modder sind in dieser Zeit die zentralen Elemente des «Sports». In dem zähen Dreck ist das Spiel deutlich langsamer als auf dem grünen Rasen. Dafür ist es aber auch viel lustiger. So enden Spurtversuche meist mit einem kläglichen Bauchklatscher. Immer wieder versinken die Beine der Spieler bis zu den Knien im Schlamm. Mancher Schuh bleibt dann spurlos im Watt verschwunden. Einige erschöpfte Spieler versuchen gar, auf allen Vieren über das kräftezehrende Watt zu krabbeln. Schnell sehen sämtliche Spieler genauso grau aus wie der Schlick.

Mit Würstchenbuden und Bierständen bekommt das Spektakel im Watt schnell einen Volksfest-Charakter. Zur Freude der Besucher spielen die Athleten - hier hießen sie «Wattlethen» - im Schlick nicht nur Fußball, sondern messen ihre Kräfte auch beim «Wattwolliball» und den «traditionellen» Wattsportarten wie Nordic Watting, Aal-Staffellauf, Watt-«Sörfen», Gummistiefelweitwurf und dem Teebeutelzielwerfen.

Die Fußballwattmeisterschaft ist auch ein internationales Medienereignis. Einen der weitesten Wege legte ein Kamera-Team aus dem fernen Südkorea zurück, um die «schmutzigen Bilder» von der schleswig-holsteinische Elbmündung rund um den Globus zu schicken. (Von Wolfgang Runge, dpa)

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