Galgenhumor : Britischer Farmer foppte Weltpresse

Ein britischer Farmer hat mit einer erfundenen Geschichte die Weltpresse gefoppt. Er hatte vom umfangreichen Export von Galgen nach Afrika gesprochen - und wurde damit weltweit für voll genommen.

London - Der britische Sender BBC und mehr als 30 international führende Zeitungen hätten die Behauptungen des Tierfutter-Bauern und und lautstarken Verfechters der Todesstrafe aufgegriffen und für bare Münze genommen, berichtete die Londoner "Times". Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte gegen den angeblichen Export von Tötungseinrichtungen von britischem Boden protestiert.

Nach Angaben der "Times" sind die von Galgenhumor zeugenden Erzählungen des Bauern David Lucas aus Mildenhall in der ostenglischen Grafschaft Suffolk über Lieferungen von Hinrichtungsstätten an Regime wie jenes in Simbabwe oder Libyen frei erfunden. "Er hält diese Vortäuschung aufrecht, weil er gern mit den Medien über die Todesstrafe spricht", zitierte die Zeitung Brian Rutterford, den Besitzer des Landes, auf dem Lucas seine Farm betreibt. Tatsächlich lebe er vom Verkauf von Tierfutter.

"Das ist ein Schabernack, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist", sagte Rutterford. Der Farmer habe zwar einmal einige Galgen gebaut. "Aber die stehen immer noch vor seinem Laden auf meinem Land. Der Rest ist Blödsinn." Laut "Times" dementierten inzwischen die diplomatischen Vertretungen Simbabwes und Libyens, dass ihre Regierungen bei Lucas Galgen geordert hätten.

Wie zahlreiche andere Zeitungen - vom Londoner "Guardian" bis zum der "Sydney Morning Herald" - hatte zuletzt am Dienstag auch das britische Blatt "Daily Mail" nach Angaben von Lucas über ein florierendes Galgengeschäft mit der Dritten Welt berichtet. Lucas' Produktionspalette reiche von klassischen Aufhängevorrichtungen für 12.000 Pfund bis zu "Multi-Exekutions-Systemen" mit mehreren Galgen für 100.000 Pfund (145.000 Euro).

Der Farmer erzählte diesen Angaben zufolge Reportern, er sei vor einigen Jahren auf die Idee gekommen, Galgen herzustellen, weil sein Hof nicht genug einbrachte. Zunächst habe er nur Galgennachbildungen für Mittelalterspiele gebaut. Dann seien "Geschäftsleute" an ihn herangetreten und hätten Exportmöglichkeiten für voll funktionsfähige professionelle Galgen aufgezeigt. Amnesty International hatte dies als "eine Verhöhnung der britischen Bemühungen um die weltweite Abschaffung der Todesstrafe" kritisiert. (tso/dpa)

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