Gammablitze : Astronomen lösen 35 Jahre altes Rätsel

Das mehr als 35 Jahre alte Rätsel der kurzen kosmischen Gammastrahlenblitze ist gelöst: Diese gewaltigen Explosionen im Weltall entstehen demnach, wenn zwei ausgebrannte Sternenreste kollidieren und verschmelzen.

Washington/London - Das haben Astronomen mit verschiedenen Observatorien bei mehreren kurzen Gammastrahlenblitzen beobachtet, die zu den stärksten Explosionen im Universum gehören. Die Forscher berichten über ihre Ergebnisse unter anderem in einer Artikelserie im britischen Fachblatt «Nature» vom Donnerstag.

Die kurzen Gammablitze setzen teilweise in nur einigen tausendstel Sekunden mehr Energie frei als die Sonne in Milliarden von Jahren. Während die Natur langer Gammastrahlenausbrüche von mehr als etwa zwei Sekunden Dauer bereits als geklärt gilt, waren die kurzen Blitze stets zu schnell vorüber, um dem Geheimnis ihrer Entstehung auf den Grund gehen zu können. Eine Gruppe um den Dänen Jen Hjorth vom Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen hat nun erstmals das Nachleuchten eines kurzen Gammablitzes im sichtbaren Licht beobachtet. Zusammen mit den Aufzeichnungen des Nasa-Satelliten «HETE-2» und des europäisch-amerikanischen Himmelsobservatoriums «Swift» im Röntgenlicht ergibt sich ein schlüssiges Bild der kosmischen Explosionen.

Demnach entstehen diese gewaltigen Energieausbrüche, die heller als Millionen Sonnen strahlen, wenn zwei Neutronensterne kollidieren oder ein Schwarzes Loch einen Neutronenstern verschluckt. Dabei kreisen etwa zwei Neutronensterne mit extremer Geschwindigkeit umeinander, bis sie letztendlich mit einem gigantischen Blitz verschmelzen. Neutronensterne sind die Leichen ausgebrannter Sterne. Sie haben nur einen Durchmesser von etwa 20 Kilometern, sind aber bis zu drei Mal schwerer als die Sonne. Durch die extreme Dichte wiegt ein Stecknadelkopf großes Teil eines Neutronensterns bis zu eine Million Tonnen. Schwarze Löcher sind so stark kollabierte Sternleichen, dass aus ihnen keine Materie und noch nicht einmal Licht entweichen kann.

Nach Nasa-Angaben sind seit Mai vier kurzzeitige Gammastrahlenexplosionen beobachtet worden. An dem Projekt seien weltweit mehr als 130 Wissenschaftler beteiligt gewesen. Vor zwei Jahren hatten die Wissenschaftler bereits entdeckt, dass lange Gammastrahlenblitze, die länger als zwei Sekunden dauern, durch die Explosion von Sternen ausgelöst werden, die zu einem Schwarzen Loch kollabieren. (tso/dpa)

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