Welt : Gammelfleisch in Berlin kam aus Italien

Informationspanne der Verwaltung

Sabine Beikler/Jörn Hasselmann

Berlin - Lebensmittelkontrolleure haben bei einer Routinekontrolle bereits am 21. September dieses Jahres auf dem Berliner Großmarkt Beusselstraße 95 Tonnen Putenfleisch beschlagnahmt, das aus Italien stammt. Bei einer Routinekontrolle war herausgekommen, dass das Fleisch verdorben ist. Stichprobenartige Untersuchungen ergaben eine Woche später, dass von den 25 genommenen Proben rund die Hälfte mit Salmonellenkeimen infiziert war, wie Roswitha Steinbrenner, Sprecherin der Berliner Verwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, sagte. Bereits vor der stichprobenartigen Kontrolle der Ware sei allerdings „ein Teil der Ware“ in den Handel gelangt. Wie viel, konnte gestern nicht ermittelt werden.

Nach Aussage der Sprecherin wurden Anfang Oktober die zuständigen Veterinär- und Lebensmittelämter auf Bundes- und EU-Ebene eingeschaltet, die anhand der Chargennummern die Lieferungsadressen überprüften. So gelangte Putenfleisch offenbar an Einzelhändler in acht Berliner Bezirken, nach Brandenburg und Schweden. „Man kann nicht ausschließen, dass keimbelastete Ware verkauft worden ist“, sagte Steinbrenner. Bei sachgemäßer Zubereitung würden Salmonellenkeime jedoch abgetötet. Zu Dönerfleisch sei die Ware nicht verarbeitet worden.

Warum die Öffentlichkeit erst am gestrigen Freitag darüber informiert worden ist, liegt offenbar an einer Panne in der Verwaltung. Nach Tagesspiegel-Informationen soll die zuständige Fachabteilung Gesundheit und Verbraucherschutz im Haus diese Informationen nicht an die dafür verantwortliche Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) weitergeleitet haben. „Es wird in der Verwaltung intern untersucht, warum eine Information für die Öffentlichkeit nicht weitergeleitet wurde“, sagte Steinbrenner.

Die Staatsanwaltschaft teilte gestern mit, dass seit Oktober gegen die Handelsfirma auf dem Beusselmarkt ermittelt wird. Am Mittwoch, den 6. Dezember 2006 wurden die Geschäftsräume der Firma durchsucht und Unterlagen sichergestellt. Auch die Privaträume des Geschäftsführers sind durchsucht worden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen den Geschäftsführer des Handelsunternehmens, Joachim M. Wie es hieß, sei der Ausgang des Verfahrens „offen“. Die Firma ist nach Angaben von Michael Grunwald, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bisher mit Unregelmäßigkeiten nicht aufgefallen. Allerdings ist die Firma auch erst seit Mitte dieses Jahres im Handelsgeschäft tätig. Die Auswertung der Beweismittel und die Ermittlungen durch das Landeskriminalamt dauern an. Der Fleischgroßmarkt in Moabit ist mittlerweile eine Drehscheibe für ganz Europa, hieß es am Freitag im Bezirksamt Mitte. Vor einem Jahr waren auf dem Großmarkt Beusselstraße acht Tonnen Putenfleisch beschlagnahmt worden, das mit Wasser versetzt war, um das Gewicht zu erhöhen.

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