Gammelfleisch-Prozess : Angeklagter bestreitet alle Vorwürfe

Im Gammelfleisch-Prozess vor dem Landgericht Oldenburg hat der Angeklagte die Beschuldigungen zurückgewesen. "Ich sehe keinen einzigen Anklagepunkt, der der Wahrheit entspricht", sagte der 46-Jährige.

Oldenburg - Gegen den Fleischhändler aus Lastrup (Niedersachsen) hat die Staatsanwaltschaft insgesamt fünf Anklagen erhoben. Darin wird ihm vorgeworfen, zwischen 2004 und 2006 rund 250 Tonnen ungenießbares Putenfleisch vermarktet und Kunden damit betrogen zu haben.

Außerdem wird ihm Insolvenzverschleppung zur Last gelegt. Unbezahlte Rechnungen summieren sich den Ermittlungen zufolge seit 2004 auf rund eine Million Euro. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, sie werde voraussichtlich ein Berufsverbot beantragen.

Der Kaufmann wies ein Angebot der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer zurück, ein umfassendes Geständnis mit einem Strafnachlass von einem Drittel zu honorieren. "Wir denken über eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren nach. Bei einem Geständnis wären es vier Jahre", hatte der Kammervorsitzende nach der Verlesung der Anklage angeboten.

Beschlagnahmtes Fleisch in den Handel gebracht

Einen Teil des beanstandeten Geflügelfleischs hatten amtliche Prüfer als "stinkig", "grau" oder "sensorisch auffällig" beurteilt. Bei anderen Teilen stellten die Prüfer deutlich erhöhte Keimzahlen fest. Vorgeworfen wird dem Angeklagten auch, er habe in einem Fall bereits beschlagnahmtes Putenfleisch wieder in den Handel gebracht. Kunden des 46-Jährigen waren zumeist Gastronomen.

Der Angeklagte ist nach Auskunft der Behörden einschlägig vorbestraft. 1987 verurteilte ihn das Amtsgericht Cloppenburg wegen Verstoßes gegen das Geflügelfleisch-Hygienegesetz zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Ein Jahr später verhängte dasselbe Gericht wegen Betrugs beim Fleischhandel eine Bewährungsstrafe von 15 Monaten. Der Landkreis Cloppenburg hatte dem Händler im November 2005 jeglichen Umgang mit Geflügelfleisch untersagt. Seit September 2006 sitzt der 46-Jährige wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. (tso/dpa)

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