Welt : Gandhis Asche in heiligen Fluß gestreut

Urne hatte aus ungeklärten Gründen fast 50 Jahre im Banktresor gelegen Neu Dehli (dpa).Unter hymnischen Gesängen mehrerer tausend Menschen sind am Donnerstag in der nordindischen Stadt Allahabad die letzten Aschenreste Mahatma Gandhis dem heiligen Fluß Ganges übergeben worden.Auf einer eigens errichteten Plattform wurde die Urne nach 49jährigem Einschluß in einem Banktresor der jubelnden Menge erstmals gezeigt, bevor Gandhis Urenkel, Tushar Arun Gandhi, die Asche des 1948 ermordeten "Vaters der indischen Unabhängigkeit" von einem geschmückten Motorboot aus in den Fluß streute.Die Stelle im Bundesstaat Uttar Pradesh, an der der Ganges sich mit dem Fluß Yamuna und dem mythischen Strom Saraswati vereinigt, gilt im Hindu-Glauben als der Ort, von dem aus die Seele eines Verstorbenen direkt ins Nirwana eingeht. Die Zeremonie in Anwesenheit zahlreicher Politiker und rund 40 Familienangehöriger Gandhis hatte der Urenkel Gandhis, der selbst eine politische Karriere anstrebt, lange vorbereitet.Nach 19stündiger Zugfahrt war die Urne am späten Mittwoch abend vom Bundesstaat Orissa aus durch drei weitere Bundesstaaten nach Allahabad gebracht worden.Sie hatte 49 Jahre lang aus nicht mehr zu klärenden Gründen in einem Banktresor in der Stadt Cuttack in Orissa gelegen.Nach der Ermordung Mahatma Gandhis am 30.Januar 1948 und seiner anschließenden Verbrennung in Neu Delhi war seine Asche in alle Landesteile entsandt worden, um sie in die Flüsse einzustreuen.Der für Orissa bestimmte Teil wurde jedoch nur teilweise seiner Bestimmung zugeführt.Den Rest hatte ein Regierungsbeamter in einen Tresor der Staatsbank eingeschlossen. Mahatma ("Große Seele") Gandhi führte Indien in den 40er Jahren in einem konsequenten, aber bewußt gewaltlosen Kampf aus der britischen Kolonialherrschaft zur Unabhängigkeit.Sein Programm der Gewaltlosigkeit machte ihn schließlich zum Opfer eines fanatischen Hindu, der ihn während einer öffentlichen Andacht erschoß.

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