Welt : Ganz Deutschland von Schnee bedeckt

Schiffsverkehr kommt zum Erliegen / Vier Menschen erfroren Hamburg/Washington (dpa/rvr).Zum Jahreswechsel präsentiert sich Deutschland winterlich weiß - und dabei bleibt es klirrend kalt.Erstmals seit etwa zehn Jahren liegt nach Angaben von Meteorologen von Nord bis Süd und von Ost bis West eine geschlossene Schneedecke.Das Tief "Martina" sorgte am Montag für bis zu 25 Zentimeter Neuschnee.Bei Dauerfrost wird die Schneedecke fast überall im Land noch weiter wachsen.Wer in der Silvesternacht das neue Jahr mit einem Feuerwerk im Freien begrüßen will, muß sich warm anziehen.Die Temperaturen werden in ganz Deutschland nicht über minus fünf Grad liegen, in ungünstigen Lagen sogar leicht minus 15 Grad erreichen, sagte der Offenbacher Meteorologe Klaus Gagel voraus. Allein in Deutschland sind bisher mindestens vier Menschen erfroren.Am Montag wurde der Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft von den Schneemassen erheblich behindert.Auf rutschigen Straßen kam es zu vielen Unfällen, die meist glimpflich abgingen.Räum- und Streufahrzeuge waren im Dauereinsatz. Der Frankfurter Flughafen meldete mehrere Dutzend Flugausfälle, viele Maschinen hatten mehrstündige Verspätungen.Allein bei der Lufthansa mußten europaweit 40 Verbindungen gestrichen werden, weil die Flugzeuge nicht rechtzeitig enteist werden konnten.Bei der Bahn hatten schon mittags 40 Fernzüge - meist wegen eingeschneiter Weichen - Verspätungen von mehr als einer halben Stunde.Die Spitzenwerte verbuchten zwei ICE-Züge mit etwa zwei Stunden Verspätung. Auch die Binnenschiffer mußten vielerorts eine Zwangspause einlegen - eine dicke Eisdecke hat selbst breite Wasserstraßen unpassierbar gemacht.In Bayern wurde - erstmals seit rund 30 Jahren - die Schiffahrt fast überall eingestellt.Auf Donau, Main- und Main- Donau-Kanal ging auf 650 Kilometern nichts mehr, berichtete die Wasser- und Schiffahrtsdirektion Würzburg.Die Elbe ist wegen starken Eisgangs zwischen Hamburg und Dresden dicht.Auf dem Elbe-Havel- Kanal, der Saale und dem Mittellandkanal geht schon seit Sonntag nichts mehr.Auch auf vielen anderen Wasserstraßen kam die Schiffahrt zum Erliegen.Keine Einschränkungen meldete Baden-Württemberg. Neue Schneelawinen haben am Montag die Rettung von bis zu 300 Autofahrern verzögert, die seit vier Tagen in einem Tunnel im Kaukasus eingeschlossen waren.Die Bergungsarbeiten würden mindestens noch zwei Tage dauern, hieß es.Die örtlichen Behörden setzten schwere Armee-Lastwagen ein, um zu den Eingeschlossenen vorzudringen.Mit gezielten Sprengungen wollten sie weitere Lawinen verhindern.Am Sonntag hatten die Rettungsmannschaften einige Dutzend Menschen aus dem Tunnel befreit.Zwei der eingeschlossenen Frauen hätten in dem Tunnel Kinder zur Welt gebracht, hieß es.Eines der Neugeborenen sei jedoch bereits erfroren.Rettungsmannschaften und Ärzte seien zu den Eingeschlossenen gelangt und versorgten sie mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und warmer Kleidung.Viele Autofahrer weigerten sich jedoch, ihre Fahrzeuge zu verlassen, weil sie Angst hätten, die Wagen könnten gestohlen oder geplündert werden.Die Tunnelstrecke am Roksi-Paß verbindet die russische Region Nord-Ossetien mit dem georgischen Süd-Ossetien. Während Europa unter der Rekord-Kältewelle litt, entspannte sich die Situation in den USA.Einzige Ausnahme blieb der pazifische Nordwesten.Schnee und Eis setzten weite Teile Nord-Kaliforniens, Oregons und Washingtons matt.Gefrierender Regen und zentimeterdicke Eisschichten zwangen die Behörden erneut, wichtige Autobahnen zu schließen.Am Flughafen von Portland im Bundesstaat Oregon fiel zum zweiten Mal der Strom aus, sodaß alle Flüge erheblich verspätet landeten und starteten oder ganz annulliert werden mußten: Weder Aufzüge noch Gepäck-Transportbänder funktionierten.Mit handgeschriebenen Anschlägen versuchten die Fluggesellschaften, ihre Kunden auf dem Laufenden zu halten.Auch rund um Seattle waren Zehntausende weiter ohne Strom.Etwa 400 Segelboote sind in der Umgebung von Seattle gesunken, weil die Dächer ihrer Anlegeplätze nach Winterstürmen unter der Schneelast zusammengebrochen waren. Dagegen entspannte sich die Lage im Mittleren Westen, der vor einer Woche unter Windchill-Temperaturen bis minus 60 Grad gelitten hatte.Im Norden von Texas und Florida war es wieder 20 Grad warm statt frostig.In der Bundeshauptstadt Washington DC waren nach den Feiertagen die Straßancafes bei 15 Grad gut gefüllt.Tanzclubs in DC boten in der Nacht zu Sonntag als besondere Attraktion Beach-Volleyball: Wer nicht mehr tanzen wollte, konnte sich früh um vier beim Versuch im Sand wälzen, den Ball über das Netz zu baggern, was bei frühlingshaften Temperaturen gern getan wurde. Über Westkanada ist am Montag der schlimmste Schneesturm seit 70 Jahren hinweggezogen.Was in Ostkanada für die kältegewohnten Bürger normal wäre, führte in der Pazifikprovinz British Columbia zum Stillstand: In der Hauptstadt Victoria wurden alle Regierungsgebäude geschlossen und Provinz-Polizeiministers Ujjal Dosanjh appellierte an die Menschen, ihre Häuser nicht zu verlassen.In Victoria wurde eine Rekordhöhe von 80 Zentimeter Schnee gemessen.Da in Victoria gewöhnlich kein Schnee fällt, besitzt die Stadt keine Räum-Ausrüstung.Ambulanzen und die Polizei reagieren nur noch in lebensbedrohlichen Situationen.Die Provinzregierung rief das Militär zu Hilfe Christine Coers, eine Farmersfrau, feierte ihren Geburtstag mit 40 wildfremden Gästen, die ihr Mann aus einem Reisebus und mehreren Autos gerettet hatte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar