Welt : Ganz schön schräg

Der Schiefe Turm von Pisa wird am Samstag nach fast zwölf Jahren Sperre wieder für Besucher geöffnet. Aber nur ein Teil der vielen Touristen, die jedes Jahr zum wohl berühmtesten Turm der Welt pilgern, werden diesen auch besuchen können - denn der Zutritt zu dem 58 Meter hohen mittelalterlichen Bauwerk ist nach den jahrelangen Rettungsarbeiten begrenzt worden. Nur eine Gruppe von maximal 30 Personen wird alle 35 bis 40 Minuten eingelassen.

Im Sommer, wenn der Turm von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein wird, werden ihn damit maximal rund 500 Menschen pro Tag besteigen können. Vor der am 7. Januar 1990 wegen akuter Einsturzgefahr verhängten Sperre hatten Touristen noch auf eigene Faust den über 800 Jahre alten Turm erkunden können.

Trotz des jetzt limitierten Zutritts ist es noch völlig unklar, ob und wie man sich künftig Eintrittskarten im Vorverkauf wird sichern können. "Es ist noch nicht entschieden, in welcher Form Tickets über das Internet gekauft werden können", sagt Cirano Galli, der Sprecher der "Opera del Duomo", die für den Dom und dessen schief geratenen und deshalb zu Weltruhm gelangten Glockenturm auf der zentralen "Piazza dei Miracoli" zuständig ist.

Selbst die Eintrittskarten für den Turm seien noch nicht gedruckt. "Daher gibt es in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung freien Eintritt", berichtet Galli. Danach werden Besucher 15 Euro zahlen müssen. Er glaube nicht, dass die Zutrittsbeschränkung zu langen Warteschlangen vor der Kasse führen wird: "Jetzt im Winter kommen ohnedies nur wenige Touristen nach Pisa."

Die Wiedereröffnung des Turmes wird unspektakulär über die Bühne gehen. Am Samstag um 10.30 Uhr werden die Verantwortlichen für die Rettungsarbeiten Pressevertreter und ausgewählte Gäste durch das auf Hochglanz gebrachte Bauwerk führen - anschließend dürfen alle anderen Neugierigen rein. Groß gefeiert hatte die Stadt Pisa die Rettung ihres Wahrzeichens bereits Mitte Juni. Damals hatte Michele Jamiolkowski, der Chef des internationalen Rettungsteams, verkünden können, dass die Neigung des Turmes um 44 Zentimeter auf rund 4,5 Meter reduziert worden sei. "Dies bedeutet, dass der Turm noch 250 bis 300 Jahre lang stehen wird, vielleicht noch länger", sagte er zufrieden.

Ingenieure aus aller Welt hatten jahrelang alle Möglichkeiten ausgelotet, den Turm wieder aufzurichten. Letztlich gelang die Rettung durch das Abtragen von Erdreich unter dem Turm und dem gleichzeitigen Anbringen von insgesamt rund 1000 Tonnen schweren Gegengewichten. Das Bauwerk wurde derweil von riesigen Stahlseilen vor dem Einsturz gesichert - die Italiener nannten sie "Hosenträger". Die Rettungsarbeiten verschlangen mehr als 50 Millionen Mark. Der Turm, dessen Grundstein im August 1173 gelegt worden war, hatte bereits während der Bauarbeiten wegen des instabilen Untergrunds Schlagseite bekommen. Den Baumeistern gelang es jedoch, den Turm mit zahlreichen Tricks nach insgesamt fast 200 Jahren fertigzustellen. Dass der - namentlich nicht bekannte - Architekt die Schräglage beabsichtigt habe, um sich an geizigen Bauherren zu rächen, gilt als haltlose Legende.

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