Welt : Ganz tief durchatmen

Harte Stunden für den Torwart und seine Frau

André Görke[Cottbus]

Samstagnachmittag, 15.28 Uhr: Vor dem Spielertunnel im Cottbuser Fußballstadion herrscht Hektik. Fernsehteams stehen da, Fotografen, und alle warten sie nur auf einen Mann: Oliver Kahn, den Torwart des FC Bayern München. Um Fußball geht es jetzt nicht mehr, es geht um Kahns außereheliche Affäre mit einer Frau aus der Münchener Nobeldisko P1, die am frühen Morgen in den Zeitungen stand. Die letzten beiden Tage waren sehr stressbeladen für den Torhüter. Die Zuschauer pfeifen, und als er endlich im Tor steht, atmet Kahn tief durch. Anpfiff, der Ball rollt. Und für Kahn kehrt ein bisschen Normalität zurück.

Seit Freitag hat sich für ihn alles verändert. Da waren die Münchner Fußballprofis mit einem Charterflugzeug auf dem alten Cottbuser Militärflughafen gelandet. Kahn war nicht zu erreichen, das Handy blieb aus. Nach der Landung ging es im Mannschaftsbus ins Radisson-Hotel in der Innenstadt. Telefonieren? Keine Chance. Ein Klingeln im Bus und Kahn hätte eine dicke Stange Geld in die Mannschaftskasse zahlen müssen. In Cottbus bezieht Kahn sein Hotelzimmer, dann geht’s auf den Fußballplatz. Abschlusstraining.

Keine Sprüche, keine Häme

Die Menschen warten vor der Kabine, sie staunen, lachen – und Kahn schreibt kräftig Autogramme, als wenn nichts wäre. Dabei wird in den Redaktionen der Boulevardzeitungen längst auf Hochtouren gearbeitet. „Kahn betrügt seine schwangere Ehefrau“, wird die „Bild“-Zeitung am nächsten Morgen titeln. So ist das Geschäft.

Die Journalisten hatten Kahn am Freitag dann doch irgendwann noch erreicht. Bayerns Torhüter gab daraufhin eine schriftliche Stellungnahme ab. Er bat die Öffentlichkeit „um Verständnis, dass dies meine und unsere Privatangelegenheit ist, über die ich und wir uns künftig nicht weiter äußern werden“. Das war’s, keine weiteren Fragen, bitte! Kahns Ehefrau Simone saß zu diesem Zeitpunkt zu Hause in München, sie ist im neunten Monat schwanger. Was muss das nur für ein Gefühl sein? Am nächsten Morgen würde alles in der Zeitung stehen, das wusste sie. Und der Ehemann sitzt jetzt irgendwo in der Lausitz, hunderte Kilometer von München entfernt. Wer kann ermessen, was diese Frau in diesen Tagen alles durchmacht?

Seit Monaten gibt es diese Gerüchte, schon bei der Weltmeisterschaft in Asien war in Szenekreisen von einer Kahn-Affäre die Rede. Jetzt ist sie Gewissheit. In Cottbus haben die Journalisten so am Samstag plötzlich etwas mehr zu tun.

Als der Münchner Mannschaftsbus eine Stunde vor dem Anpfiff am Stadion eintrifft, haben sich die Cottbuser Ordner positioniert. Dicht stehen sie nebeneinander, Mann neben Mann, dahinter die Fotografen. Als er aussteigt, bleibt es ruhig. Keine Sprüche, keine Häme.

Die Menschen klatschen. Kahn kaut Kaugummi - wie so oft. Eine Frage nur, Herr Kahn! „Nee, jetzt nicht“, sagt er und verschwindet in der Kabine.

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