• Gaumenfreuden: Viel Wind um den Nonnenberg - Bernhard Breuer zieht sich vom "Ersten Gewächs" zurück

Welt : Gaumenfreuden: Viel Wind um den Nonnenberg - Bernhard Breuer zieht sich vom "Ersten Gewächs" zurück

Ulrich Sautter

Bernhard Breuer hat sich vom geplanten "Ersten Gewächs" abgewandt. Dies teilte der Rheingauer Winzer, ein maßgeblicher Wegbereiter der Klassifizierungsdebatte, jetzt in einer persönlichen Erklärung mit. Hintergrund seines überraschenden Schrittes ist ein Gutachten des Agrarmeteorologischen Instituts des Deutschen Wetterdienstes in Geisenheim. Im Auftrag des Rheingauer Weinbauverbandes hatten die Geisenheimer Wissenschaftler einige für den Weinanbau relevante Daten zahlreicher Rheingauer Lagen ausgewertet, so die Windexposition der Reben, das Wasserhaltevermögen des Bodens und den Reifezustand des Rieslings Anfang Oktober.

Die jetzt vorgestellten Ergebnisse, die nach dem Willen der hessischen Landesregierung einer gesetzlichen Verankerung des "Ersten Gewächses" den Weg bahnen sollen, verneinen beispielsweise für einen großen Teil des Breuerschen Besitzes im Rauenthaler Nonnenberg die privilegierte Lage. Andererseits, sagt Breuer, bezeichne die Studie zahlreiche flache, flussnahe Lagen mit sandigen Lehmböden als klassifizierungswürdig. Dies betreffe auch Lagen, die in der Geschichte des Rheingauer Weinbaus noch niemals als überdurchschnittlich wertvoll angesehen worden seien. Aus diesem Grund werde er für alle seine Weine auf die Bezeichnung "Erstes Gewächs" verzichten - und das, obwohl die geplante, etwas undurchsichtige Regelung ihm diese Bezeichnung offenbar auch für die beanstandeten Parzellen des Nonnenbergs durchaus ermöglichen würde.

Der Geisenheimer Wissenschaftler Dieter Hoppmann, der an der Studie gearbeitet hat, macht hingegen geltend, dass die Windexposition des Rauenthaler Nonnenbergs dessen Klimadaten objektiv stark beeinflusse. Zudem stütze sich die Studie auf Klimadaten aus den Jahren 1961-1990, so dass die von Bernhard Breuer ins Feld geführten guten Ergebnisse der klimatisch begünstigten 90er Jahre als nicht repräsentativ anzusehen seien. Im übrigen stimme die jetzt vorgelegte Karte weitgehend mit historischen Steuerkarten überein. Allerdings zeichne sie auch einige Lagen aus, die früher nicht weinbaulich genutzt wurden, sagte Hoppmann weiter.

Mit dieser Wendung hat der seit einigen Jahren schwelende Streit um das geplante "Erste Gewächs" einen neuen paradoxen Höhepunkt erreicht. Dass eine begrüßenswerte Idee durch Lobbyinteressen aufgeweicht, daraufhin aber auch sogleich widerstandslos durch ihren maßgeblichen Fürsprecher aufgegeben wird, zeigt exemplarisch die widersinnigen Verhärtungen in der deutschen Weinbaupolitik.

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