• Geberkonferenz für Impfungen in Berlin: 7,5 Milliarden Dollar für gesunde Kinder
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Geberkonferenz für Impfungen in Berlin : 7,5 Milliarden Dollar für gesunde Kinder

Am Dienstag soll in Berlin die Impfalllianz Gavi mit neuen Mitteln ausgestattet werden Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt für das Programm. Milliardär Bill Gates hat es erfunden und wird ebenfalls dabei sein. Am Vorabend kündigt Pfizer eine kleine Preissenkung an.

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Jedes Kind soll geimpft werden. Die WHO will Polio von der Erde verschwinden lassen, wie hier in Pakistan. Die Impfallianz Gavi hat viel dazu beigetragen.
Jedes Kind soll geimpft werden. Die WHO will Polio von der Erde verschwinden lassen, wie hier in Pakistan. Die Impfallianz Gavi...Foto: Akhter Gulfam/dpa

Impfungen haben die Welt verändert. Die Pocken sind ausgerottet, selbst Syrien ist seit einem Jahr wieder poliofrei. Tetanus und Diphterie haben ihren Schrecken verloren. In den Industrienationen weiß kaum noch jemand, was Masern anrichten können. Die internationale Impfallianz Gavi arbeitet daran, dass dies auch in Entwicklungsländern zutrifft. An diesem Montag und Dienstag ist die Bundesregierung Gastgeberin der Gavi-Wiederauffüllungskonferenz in Berlin. Das Ziel ist es, 7,5 Milliarden Dollar für die kommenden fünf Jahre zusammenzubekommen. Damit will Gavi 300 Millionen Kinder mehr impfen, auch solche, die bisher noch nicht erreicht worden sind. Bisher hat Gavi nach eigenen Angaben 500 Millionen Kinder in 73 armen Ländern geimpft.

Der Chef der Impfallianz, Seth Berkley, ist dankbar für die deutsche Unterstützung. Rund 500 Millionen Euro hat Deutschland bereits zugesagt, verhandelt derzeit aber angesichts des aktuellen Wertverlusts des Euro über eine Aufstockung. „Bundeskanzlerin Angela Merkel hat selbst andere Staats- und Regierungschefs angesprochen und für Beiträge für Gavi geworben“, sagt er sichtlich begeistert. „Deutschland übernimmt schon zu Beginn des Jahres, in dem neue Entwicklungsziele beschlossen werden sollen, eine Führungsrolle.“

Pfizer senkt die Preise für Pneumokokken-Impfstoff um 20 Cent

Schon am Montagabend hatte Gavi einen ersten Erfolg zu vermelden. Der Pharmakonzern Pfizer kündigte beim abendlichen Dinner an, die Preise für die von ihm angebotene Pneumokokken-Impfung von 2016 an um 20 Dollar-Cent zu senken. Eine Impfdosis des von dem Unternehmen angebotenen Impfstoffs Prevenar 13 soll dann für die Gavi-Staaten 3,10 Dollar statt 3,30 Dollar kosten. Um ein Kind gegen 13 Varianten von Lungenentzündungserregern zu schützen, sind drei Impfdosen nötig. Künftig kostet es für Gavi-Länder also 9,30 Dollar statt bisher 9,90 Dollar. Das sei weniger, "als unsere Herstellungskosten", sagte ein Pfizer-Sprecher dem Tagesspiegel. Weiter sagte er, das sei nur möglich, "weil wir die Impfstoffe in Industriestaaten zu auskömmlichen Preisen vermarkten können". In Deutschland koste eine Dosis des Pneumokokken-Impststoffs zwischen 50 und 55 Dollar.

Der Chef der Impfallianz Gavi Seth Berkley hofft auf 7,5 Milliarden Dollar, die bei der Berliner Wiederauffüllungskonferenz Ende Januar eingesammelt werden sollen.
Der Chef der Impfallianz Gavi Seth Berkley hofft auf 7,5 Milliarden Dollar, die bei der Berliner Wiederauffüllungskonferenz Ende...Foto: Ruben Sprich/Reuters

Gavi nimmt für sich in Anspruch, nicht nur viele Kinder erreicht zu haben, die sonst nicht erreicht worden wären. Die erhöhte Nachfrage hat zumindest teilweise auch die Preise für Impfstoffe gesenkt. Bei den neu eingeführten Impfstoffen gegen Rota-Viren, eine Durchfallerkrankung, an der viele Kinder unter fünf Jahren gestorben sind, sind die Preise nach Gavi-Angaben um 60 Prozent gefallen. Bei den Impfstoffen gegen Pneumokokken liegt die Preissenkung dagegen nach Gavi-Angaben bei nur drei Prozent. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ spricht sogar von bis zu 21 Dollar pro Immunisierung und kritisiert die Pharmakonzerne GlaxoSmithKline und Pfizer, die Pneumokokken-Impfstoffe auf den Markt gebracht haben, scharf für ihre „überhöhten Preise“. Das sei die teuerste der zwölf von der WHO empfohlenen Impfungen, kritisieren die Ärzte. Die beiden Konzerne hätten seit der Einführung der Impfung 19 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Mehr als ein Drittel der von Gavi angestrebten 7,5 Milliarden Dollar müssten allein für den Pneumokokken-Impfstoff ausgegeben werden, warnen die Ärzte. Sie fordern die Kosten für die Impfung eines Kindes, also drei Dosen, für fünf Dollar anzubieten..

Schutz gegen Durchfall und Gebärmutterhalskrebs

Seit dem vorangegangenen Impfgipfel hat Gavi den Schutz gegen Rota-Viren, einen Durchfallerreger, sowie gegen HPV und damit Gebärmutterhalskrebs in ihr Angebot an die Ärmsten aufgenommen. Dagegen gibt es weiterhin wenig Hoffnung auf einen Impfstoff gegen Aids. Normalerweise ahmt ein Impfstoff den natürlichen Schutz nach einer Infektion nach. Doch beim Aids-Erreger HIV versagt das Immunsystem. Die Forscher können nichts kopieren. Das Virus verändert sich so schnell im Körper, dass es seinem Wirt immer einen Schritt voraus ist. Zwar entwickelt jeder zehnte Patient Antikörper, die viele Virusvarianten erkennen. Dem Infizierten nützt das aber nichts mehr. Gesunde könnten diese Antikörper dagegen vermutlich schützen, hoffen Forscher. Sie wollen dem Immunsystem nach und nach beibringen, solche breit neutralisierenden Antikörper vorsorglich zu bilden. Aber das ist ein weiter Weg.

Auch gegen Ebola will Gavi aktiv werden

Bei Ebola liegt der Fall anders. Es gab vor Jahren Impfstoffkandidaten, die Affen zu 100 Prozent vor der Infektion schützen. Doch niemand wollte Zeit und Geld investieren, um zumindest ihre Sicherheit beim Menschen zu prüfen. Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat das grundlegend verändert. Derzeit spielen weder Länder- noch Firmengrenzen eine Rolle. Alle ziehen an einem Strang, um die klinischen Studien voranzutreiben – der Umfang der Kooperation und das Tempo sind beispiellos. Ab Februar werden zwei Impfstoffe im Epidemiegebiet an tausenden Menschen getestet. Die Firma GlaxoSmithKline schickte bereits am vergangenen Freitag hunderte Impfstoffdosen nach Liberia. Die Eile ist notwendig, denn die Zahl der Infizierten sinkt. Es wird von Woche zu Woche schwieriger, den Impfschutz nachzuweisen. Um trotzdem für die nächste Ebola-Epidemie gewappnet zu sein, könnten die Regulierungsbehörden notfalls den Impfstoff aufgrund der Daten aus Tierversuchen und Sicherheitstests am Menschen zulassen. Sobald die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Ebola-Impfstoff als sicher und effektiv empfiehlt, will Gavi Millionen der Spritzen kaufen. Die Initiative stellt bis zu 300 Millionen Dollar dafür bereit.

Am Montag und Dienstag werden Dutzende Staats- und Regierungschefs die Impfallianz beehren, Angela Merkel wird eine Rede halten und der Milliardär Bill Gates und seine Frau Melinda werden sie zweifellos ebenfalls anfeuern, mehr Geld herauszurücken. Schließlich hatten sie vor 15 Jahren beim Weltwirtschaftsforum in Davos die Idee dazu.

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