Geburtstag : Der Deutsche

Hardy Krüger startete nach dem Krieg eine Weltkarriere als Schauspieler – heute wird er 80 Jahre alt

Hardy Krüger
Von Wedding in die Welt. Kleine Darstellersünden aus der NS-Zeit waren Hardy Krüger rasch verziehen. Danach gab er oft den...Foto: dpa

Er zählt zu jenen Schauspielern, deren Gesicht und Stimme ihr eigenes Markenzeichen sind: Blonde Haare, stahlblaue Augen, dazu ein einschmeichelndes Timbre und in späteren Jahren ein grauweißer Seemannsbart. Hat man Hardy Krüger einmal erlebt, vergisst man ihn nicht mehr. An diesem Samstag wird der im Berliner Wedding geborene frühere Weltstar 80 Jahre alt.

Als Jugendlicher ließ er sich in einem Eliteinternat von der NS-Ideologie vereinnahmen und spielte in dem Propagandafilm „Junge Adler“ eine Rolle als Ordensburgschüler. Erst die Bekanntschaft mit Hans Söhnker ließ den „verblendeten Jungen“ (so Krüger über sich selbst) die nationalsozialistische Ideologie als verbrecherisch erkennen: Politisch war Krüger fortan geläutert.

Seiner Lust an der Schauspielerei tat dieser Fehlstart keinen Abbruch. Früh in den 1950er Jahren drehte er Filme mit Hildegard Knef, Walter Giller oder Johannes Heesters. Das waren nicht immer, wie etwa „Die Christel von der Post“, Sternstunden des Kinos, doch sie taugten als Start in eine Weltkarriere. Seinen Durchbruch feierte Krüger 1957 mit dem britischen Kriegsfilm „Einer kam durch“, in dem der „blonde Hardy“ den Fliegeroffizier und Kriegsgefangenen Franz von Werra spielte. Immer wieder stand Krüger auf der Besetzungsliste, wenn es darum ging, den typischen deutschen Soldat darzustellen. Und immer wieder gelang es ihm dank seiner unaufgeregt dezenten Spielweise, sich den Klischees zu entziehen und nicht nur als böser NS-Scherge zu agieren: Der Deutsche in Uniform, moralisch integer.

Zusammen mit John Wayne stand er in Howard Hawks „Hatari!“ vor der Kamera, mit James Stewart trat er in Robert Aldrichs „Der Flug des Phoenix“ auf und mit Montgomery Clift (in dessen letzter Rolle) in „Lautlose Waffen“. In Stanley Kubricks ausladendem Barock-Panorama „Barry Lyndon“, der Verfilmung von William Thackerays Roman, überführt er als preußischer Hauptmann Potzdorf den Deserteur Barry, und 1977 verteidigte er als deutscher Panzerkommandeur „Die Brücke von Arnheim“, in Richard Attenboroughs Kriegsepos mit Starbesetzung. Deutschen Fernsehzuschauern ist Krügers Darstellung in Francis Durbridges Straßenfeger „Das Messer“ gut in Erinnerung – und nicht zuletzt seine TV-Reihe „Hardys Bordbuch“ (seit 1963) mit der sich anschließenden NDR-Serie „Weltenbummler“, in deren Folgen der Kosmopolit Krüger das Publikum mit auf Reisen nahm.

Schreiben kann er auch: zuerst, ab 1970, Beobachtungen von Land und Leuten, die er auf Reisen und an seinen Drehorten machte („Eine Farm in Afrika“), später belegten Romane („Junge Rast“) und Erzählungen („Die andere Seite der Sonne“), dass sich hinter dem erfolgreichen Schauspieler ein veritabler Autor verbarg, der etwas erlebt hatte und davon zu berichten weiß. Sein schauspielerisches Talent übertrug sich früh auf seine Kinder. Christiane Krüger und Hardy Krüger jun. zählen zu den bekanntesten TV-Gesichtern. Ihr Vater lebt heute mit seiner dritten Frau Anita in Kalifornien und Hamburg, ist aber, wie er sagt, von ganzem Herzen Berliner geblieben. Seine Energie scheint kaum erlahmt: „Es gibt noch viele Fragen, die ich noch nicht beantwortet habe. Zum Beispiel sind der Kilimandscharo und Asien, wo ich lange gelebt habe, große Lehrmeister in meinem Leben geworden. Also grüble ich auch darüber nach, was passiert, ,wenn ich mal totgehe‘, wie der Berliner sagt.

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