Welt : Gedenken an die Opfer von Duisburg

Sechs Wochen nach dem Loveparade-Unglück endet die Trauerzeit / Neuer Bericht über Behördenfehler

Duisburg - An die 21 Toten des Loveparade-Unglücks vor sechs Wochen erinnert seit Samstag eine Gedenktafel. Die bronzene Tafel mit den Worten „Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade“ wurde am Samstagmorgen am Unglückstunnel angebracht. Am Nachmittag füllte der Duisburger „Bürgerkreis Gedenken“ die im Unglückstunnel abgelegten Trauergaben zum Gedenken an die Opfer in einen Glaswürfel.

Mitglieder des Bürgerkreises, Künstler und Helfer sammelten Kerzen, Zettel, Plüschtiere und andere Gedenkgaben in den Kubus am Osteingang des Karl-Lehr-Tunnels. Anschließend wurde er verschlossen. Der Künstler Frank Köllgen begleitete die Aktion mit Trommelschlagen als Zeichen der Trauer.

Mit der Gedenkveranstaltung wurde die Trauerzeit für die Opfer des Unglücks offiziell beendet. Am Sonntag soll der Unglückstunnel wieder für den Verkehr freigegeben werden. Neben der Bronzetafel und dem Glaskubus sind als Orte des dauerhaften Gedenkens noch eine Stele in der Nähe des Unglücksortes und eine Gedenkstätte geplant.

Eine 30-Jährige aus Duisburg, die bei der Katastrophe schwer verletzt wurde, erinnerte am Samstag noch einmal an die Momente des Schreckens: „Ich habe wirklich Glück gehabt. Die haben mich mehr tot als lebendig rausgezogen.“ Unter ihr sei ein Mädchen gestorben. „Man kann nichts machen. Ich habe ihr noch zugeredet. Ich konnte in ihre Augen sehen. Und dann sah ich, wie sie starb.“ Über ihr hätten sieben oder acht weitere Menschen gelegen. Sie selbst sei wenig später bewusstlos geworden. Sie erlitt schwere Verletzungen an einem Bein und musste sieben Stunden lang operiert werden. Der Vater einer 16-jährigen Verletzten sagte, seine Tochter schlafe wegen der großen psychischen Belastung nach wie vor jede Nacht nur zwei Stunden.

Viele Trauergaben spiegeln die große Trauer der Angehörigen und Freunde um den Verlust ihrer Lieben wider. Ein gerahmtes Porträtfoto zeigt einen freundlichen jungen Mann mit wachem Blick und fröhlichen Augen. „Wir werden Dich nie vergessen. Deine Familie“, steht darunter mit blauem Filzstift geschrieben. An anderer Stelle ist anklagend zu lesen: „Gott! Du hast so viele Engel. Warum hast Du unsere genommen?“ Immer wieder wird nach dem „Warum?“ gefragt.

Nicht nur Duisburger Bürger kamen zum Unglücksort. So hatte etwa eine ältere Frau aus Essen am Morgen im Radio von dem Aufruf gehört und war spontan nach Duisburg gefahren. Sie fand auf Anhieb ihre mit Rosenaufklebern verzierte, weiße Trauerkerze wieder, die sie kurz nach dem Unglück im Tunnel aufgestellt hatte, und legte sie neben den Kubus.

Bei einer Massenpanik auf der Loveparade am 24. Juli waren 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 500 wurden verletzt. Über die Verantwortung für das Unglück wird weiter gestritten. Der Veranstalter, die Stadt Duisburg und die Polizei geben sich gegenseitig die Schuld. Der „Spiegel“ berichtete unterdessen von einem Durcheinander bei aktuellen Absprachen zwischen Polizei, Stadt, Feuerwehr und Veranstalter am Unglückstag. Eine Telefonkonferenz sei „chaotisch und undiszipliniert“ verlaufen, zitierte das Magazin einen Ermittler. Noch während des Krisengesprächs habe es offenbar bereits Schwerverletzte gegeben. dpa/epd

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