Welt : Gedenken an die Ramstein-Katastrophe

RAMSTEIN (pe).Zehn Jahre nach der Flugtag-Katastophe von Ramstein haben am Freitag überlebende Opfer und Vertreter der Öffentlichkeit noch einmal des Unglücks gedacht.Am 28.August 1988 starben im pfälzischen Ramstein beim Zusammenstoß dreier Düsenjets einer italienischen Kunstflugstaffel mindestens 70 Menschen, 450 wurden verletzt.Rund hundert Opfer, Hinterbliebene und Betroffene aus ganz Deutschland versammelten sich zu der Gedenkfeier mit Vertretern der Militärs, der Politik und der Kirchen an der vor dem US-Flughafen gelegenen und mit Blumen und Kerzen geschmückten Gedenkstätte in Ramstein.

Als Sprecherin der Opfer und Hinterbliebenen sagte Marliese Witt, die bei der Katastrophe ihren 16 Jahre alten Sohn verlor, die Ramstein-Gedenkstätte solle "ein Ort des Gedenkens, Erinnerns und Mahnens, aber auch ein Ort der Begegnung sein".Wenn Schulklassen hierher kämen, dann sei dies auch "eine Art Anschauungsunterricht in Vergangenheitsbewältigung".Körperliche Wunden und seelische Narben der Ramstein-Opfer blieben zwar, aber man müsse damit leben und Menschen in Not wie bei der ICE-Bahn-Katastrophe in Eschede beistehen.

Der rheinland-pfälzische Sozialminister Florian Gerster (SPD) sagte: "Ramstein darf sich nicht wiederholen." Auch Vertreter der Kirchen forderten eine Beendigung riskanter Flugtage.Der Gesandte der italienischen Botschaft, Francesco Camillo Paeno, verneigte sich vor dem Gedenkstein mit den eingemeißelten Namen der 70 Toten und drückte den Opfern und Hinterbliebenen das "tief empfundene Mitgefühl" des italienischen Staats und seiner Luftwaffe aus.Drei Düsenjets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" waren damals bei einer Flugfigur "Durchstoßenes Herz" in 40 Metern Höhe zusammengestoßen.Eine Maschine explodierte und stürzte wie ein Feuerball in eine Zuschauergruppe des von 300 000 Menschen besuchten Flugtages.

Der amerikanische Brigadegeneral des in Ramstein stationierten 86.Lufttransportgeschwaders, Michael W.Wooley, verharrte nach einer kurzen Rede einige Sekunden still vor dem Gedenkstein.Auch Generalmajor Servatius Maeßen von der Bundeswehr bekundete "Solidarität mit Toten, Überlebenden, Angehörigen und Freunden" sowie den betroffenen NATO-Bündnispartnern USA und Italien.Der evangelische Kirchenpräsident Werner Schramm sagte, er werde den Tag der Katastrophe "nie vergessen können - nicht als Opfer, sondern als Beteiligter".

An rund 1500 vom Unglück betroffene Antragsteller sind inzwischen insgesamt mehr als 32 Millionen Mark Schadensersatz gezahlt worden, sagte eine Sprecherin des Rheinland-Pfälzischen Innenministeriums gegenüber dem Tagesspiegel.Ein Sprecher des Bonner Finanzministeriums schloß weitere Ansprüche aus.Gestern wurde bekannt, daß 96 Betroffene versuchen wollen, auch Entschädigungsansprüche für erlittene psychische Schäden durchzusetzen.

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