Welt : Gefährliche Handys: Liegt die Gefahr bei den Mobiltelefonen in der Wärme?

Bas Kast

Wie gefährlich sind Handys? Müssen eifrige Vieltelefonierer sich auf Hirntumoren einstellen? Oder handelt es sich dabei lediglich um die Angstfantasien geübter Hypochonder? Obwohl jeder Handybesitzer - und wer besitzt heute kein Handy? - sich schon mal diese Fragen gestellt hat, scheinen die Handyhersteller nicht motiviert, ihre Geräte strahlungsärmer zu machen. Allerdings hat ein Siemens-Sprecher, wie bereits kurz berichtet, angekündigt, die Branche wolle vom Sommer an in den Bedienungsanleitungen die Strahlungswerte angeben. Das bedeutet aber nicht automatisch eine Verringerung der Strahlung.

Eine fatale Entwicklung, findet Peter Nießen vom Nova-Institut für politische und ökologische Innovation in Hürth. "Die handeln nach dem Motto: Solange wir keinen Schaden nachgewiesen haben, gibt es auch keinen Schaden", bedauert der Strahlungsexperte. Das Nova-Institut hat im Internet eine Liste veröffentlicht, die Handymodelle aufgrund ihrer "Gewebe-Erwärmungsfähigkeit" vergleicht (siehe Kasten unten).

Während es vor einigen Jahren offenbar noch mehrere Handys mit einem sehr geringen Erwärmungswert gab, so habe sich dieser bei vielen neuen Handys verdoppelt und verdreifacht. Oft seien es gerade die "besten" Geräte, die hohe Werte zeigten, berichtet das Nova-Institut. Eine Neuheit wie das Nokia 6210 erreiche sogar den mehr als vierfachen Erwärmungswert gegenüber einem älteren Modell. Bis heute ist unklar, ob die Erwärmung durch Handystrahlung gesundheitsschädlich ist. Sicher ist, dass die Frequenz der Handywellen nicht-ionisierend ist: Die Wellen sind zu schwach, um Elektronen aus den Atomen von Gewebe zu schießen und damit einen ähnlichen Schaden wie Röntgenstrahlung hervorzurufen. Auch lässt sich bislang kein stichhaltiger Zusammenhang zwischen Handygebrauch und Hirntumoren nachweisen.

Das aber schließt andere Gefahren nicht aus. Die Augenlinse beispielsweise ist sehr wärmeempfindlich. "Wir wissen, dass eine dauerhafte Erwärmung der Linse zu einer Trübung führt", sagt Nießen. Da liege also eine Gefahr. Ulrich Kellner, Augenarzt am Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin bezweifelt das. "Wir kennen das von Glasbläsern, aber da haben wir es ja auch mit sehr hohen Temperaturen zu tun", sagt Kellner. "Auch eine Erwärmung des Auges an sonnigen Sommertagen hat keinen erkennbaren Einfluss auf eine Linsentrübung."

Doch sogar wenn es eine Gefahr geben sollte: Die Strahlungsstärke stellt nur einen Faktor der Gewebeerwärmung dar. Die Dauer des Gesprächs ist ein anderer. "Grob gesagt kann man mit einem Handy, das die Hälfte des Strahlungswertes hat, doppelt so lange telefonieren, um zu einer gleichen Erwärmung zu gelangen", sagt Nießen.

Der Strahlungsexperte hat aber auch einen Vorschlag parat, wie man der Erwärmung ganz entkommen könnte. Dazu müsste lediglich die Antenne des Handys 30 Zentimeter lang sein, wobei nur die letzten Zentimeter davon senden könnten. "Die Strahlung wäre dann weit genug vom Kopf entfernt, um das Gewebe erwärmen zu können", sagt Nießen. Warum das nicht gemacht wird? "Ich fürchte, für diese Lösung sind die Leute einfach zu eitel."

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