Welt : Gefährliche Spielzeuge für 007

ANDREAS CONRAD

James Bonds Architekt: Ein Museum würdigt den Oscar-prämierten Designer und gebürtigen Berliner Ken AdamVON ANDREAS CONRADVoller Tatendrang besichtigte Mr.President den neuen Amtssitz.Die Neugier galt freilich nicht dem berühmten Oval Office, auch mochte Nancy die Privatgemächer im Weißen Haus erst einmal allein in Augenschein nehmen.Ronald Reagan interessierte besonders der Gebäudeteil, der für die Auseinandersetzung mit dem Reich des Bösen von besonderer Bedeutung schien: der War Room.Das Anliegen setzte die Begleiter in einige Verlegenheit: "Jemand sagte, nun, mmh ...Reagan hatte jedenfalls den War Room aus Dr.Strangelove erwartet." Möglich, daß diese Episode nur gut erfunden ist.Erzählt wird sie immerhin vom Filmarchitekten Ken Adam, dem Erfinder dieser Schreckenskammer der atomaren Kriegsführung.Eine riesige Karte der Sowjetunion bestimmte die Szenerie, wie in einem Videospiel sausten von allen Seiten als kleine Leuchtsymbole Bomber heran - der War Room war das Herzstück von Stanley Kubricks Weltuntergangsvision. Wiederholt führte die Arbeit des Production Designers Ken Adam, dem das Mannheimer Landesmuseum für Technik und Arbeit eine Ausstellung ausgerichtet hat, zu Irritationen.Schon für "Dr.Seltsam" (1963) hatte die US-Regierung, die eine antiamerikanische Komödie vermutete, jegliche Unterstützung abgelehnt.Auch ein Jahr später für "Goldfinger" durfte Adam den amerikanischen Goldbunker von Fort Knox nur überfliegen.So blieb er auf seine Fantasie verwiesen, stapelte die Barren turmhoch, eindrucksvoll, doch völlig unrealistisch.Amerikanische Zuschauer waren dennoch entsetzt und beschwerten sich, daß ein ausländisches Filmteam in Fort Knox drehen durfte. Für die bis 14.September dauernde Ausstellung hat der deutschstämmige Filmarchitekt sein Privatarchiv geöffnet, rund 300 Originalentwürfe zu 30 Filmen bereitgestellt, dazu Fotos und Privatfilme von den Dreharbeiten, darunter zu "Feuerball", "Man lebt nur zweimal" und "Der Spion, der mich liebte".Insgesamt wirkte Adam an sieben James-Bond-Filmen mit, zuletzt 1979 an "Moonraker".Er war es, der - ebenso wie Sean Connerey als 007 - den Bond-Mythos begründete, den Filmen erst ihren fast genrestiftenden Duktus einer immer leicht ironisch dargebotenen Hyperrealität gab.Dies waren abstruse Verbrecherhöhlen wie Strombergs Unterwasserlaboratorium in "Der Spion, der mich liebte" oder auch die gefährlichen Spielzeuge Bonds, darunter der legendäre Aston Martin DB 5 aus "Goldfinger" oder der Mini-Hubschrauber "Little Nelly" aus "Man lebt nur zweimal". Genaugenommen verdankt 007 dies alles Berlin, in doppeltem Sinne: Hier wurde der spätere Ken am 5.Februar 1921 als Klaus Adam geboren, in einer eleganten, gutbürgerlichen Wohnung in der Tiergartenstraße 8 wuchs er auf, seinem Vater gehörte ein exklusives Sportgeschäft am Potsdamer Platz.In Berlin hatte Klaus mit "Dr.Caligari" und "Metropolis" seine ersten Kinoerlebnisse, deren Einflüsse Filmhistoriker in Kens Werk noch immer wirken sehen.Aus Berlin wurde die jüdische Familie Adam aber auch 1934 nach England vertrieben, wo Ken Adam, angeregt durch die Bekanntschaft mit dem Filmarchitekten Vincent Korda, ein Archtiekturstudium begann.Der Krieg kam dazwischen, Adam ging als Jagdflieger zur Royal Air Force, fand erst 1947, wiederum zufällig, ins Filmgeschäft.Darin avancierte er unter den Production Designern rasch zu einem der ganz Großen.1976 erhielt er einen Oscar für "Barry Lyndon", seine zweite Arbeit mit Kubrick.Für Adam war sie untypisch, ging es doch eher ums Reproduzieren alter Gemälde als um die Imagination phantastischer Welten mit ironischen Details, wie etwa im Appartment von Dr.No: Beim Verlassen des Raumes stutzt Bond beim Anblick eines Ölgemäldes, Goyas Porträt des Duke of Wellington.Das Original war kurz vor den Dreharbeiten aus der National Gallery in London gestohlen worden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben