Welt : Gefahr durch den Verzehr wilder Tiere?

Adelheid Müller-Lissner

In der südchinesischen Provinz Guangdong verzehren Menschen oftmals wilde Tiere. Viele sind vom Aussterben bedroht. Tierschützer haben immer wieder auf die grausamen Praktiken hingewiesen, bei denen seltene Tiere nur deshalb getötet werden, weil ein Körperteil als Delikatesse oder Aphrodisiakum gilt. Aus Südchina wird jetzt berichtet, dort sei zuerst ein Koch an Sars erkrankt, der in seiner Küche seltene wilde Tiere als Delikatessen zubereitet habe.

Die Rechnung ohne den Wirt gemacht

Der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, ein Mitglied des Teams, das derzeit im Auftrag der WHO nach den Ursachen von Sars forscht, hält diese These für „sehr plausibel", wie dpa berichtet. Dass Menschen sich mit Viren beim engen Kontakt mit Tieren infizieren können, ist nicht neu. „Wir wissen, dass neue, für uns gefährliche Viren permanent vom Tier auf den Menschen übergehen", kommentiert der Charité-Virologe Detlev Krüger die neuesten Überlegungen. Die Vogelgrippe, die zuletzt 1997 Hongkong bedrohte, ist von Hühnern auf den Menschen übergegangen. Allerdings erwies der Mensch sich hier als Sackgasse. Oft dient ein Tier auch als Reservoir eines Virus, das bei ihm selbst keine Symptome hervorruft, etwa die Maus für das Hantavirus. Auch HIV-1, das menschliche AIDS-Virus, wurde irgendwann vom Affen, für den es ungefährlich ist, auf den Menschen übertragen. An grünen Meerkatzen steckten sich Tierpfleger der Marburger Behringwerke mit dem Marburg-Virus an, einem engen Verwandten des Ebola-Erregers. Offenbar hatte das Fadenvirus die Artgrenze überwunden. Auch zwei Mitglieder aus der Familie der Paramyxoviren haben in den 90er-Jahren für Beunruhigung gesorgt, weil sie vom Tier auf den Menschen übergingen: Das Hendravirus verursachte bei Australiern, die engen Kontakt zu Pferden hatten, Hirnhautentzündungen. Das Nipahvirus wurde Schweinezüchtern aus Malaysia zur Gefahr. Paramyxoviren galten zunächst auch als heiße Kandidaten bei der Suche nach dem Sars-Erreger.

„Der Mensch ist in solchen Fällen ein Fehlwirt und erkrankt oft schwer. Viren, die sich im Verlauf der Evolution an ein Tier gewöhnt haben, werden in der Regel das Tier nicht so krank machen", sagt Krüger. Schon deshalb, weil sie ihre Rechnung, die in der Vermehrung besteht, nicht ohne den Wirt machen können.

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