• Gefoltert und ermordet: Mordfall Ingrid Visser: Die Suche nach den Hintermännern

Gefoltert und ermordet : Mordfall Ingrid Visser: Die Suche nach den Hintermännern

Die Ermordung des Volleyballstars Ingrid Visser und ihres Partners Lodewijk Severein im spanischen Murcia wird immer mysteriöser. Der Ermittlungsrichter hat eine Nachrichtensperre verhängt.

Ralph Schulze
Ingrid Visser
Gequält und ermordet: Ingrid Visser.Foto: AFP

Ein paar zusammengebundene Oleanderzweige liegen auf der Erde. Die roten Blüten sind in der heißen Frühlingssonne Südspaniens schon halb verwelkt. „In liebevoller Erinnerung“, steht auf einem Kärtchen. Dahinter sieht man eine kleine Tafel, die an einem Stein lehnt. Mit einem Vers in holländischer Sprache, in dem vom „wunderbaren Leben“ und vom „Abschiednehmen“ die Rede ist. Der knochentrockene Boden drum herum ist aufgewühlt. Ein gruseliger Schauplatz, eingerahmt von Zitronenbäumen. Hier fanden spanische Polizisten am vergangenen Wochenende, in der Erde verscharrt und in Müllsäcken verstaut, die zerstückelten und in Natronlauge aufgelösten Überreste des holländischen Volleyballstars Ingrid Visser (35) und ihres Lebensgefährten Lodewijk Severein (57). Das Paar war seit dem 13. Mai spurlos verschwunden.

Der Fundort liegt etwas abseits des beschaulichen 5000-Seelen-Dorfes Alquerías, zehn Kilometer außerhalb der Regionalhauptstadt Murcia. Und eine halbe Autostunde entfernt von jenem einsamen Landhaus nahe der Kleinstadt Molina de Segura, wo die beiden Holländer offenbar von zwei rumänischen Killern gequält und umgebracht wurden. In einer spanischen Mittelmeerregion, in der jedes Jahr hunderttausende ausländische Urlauber ihre Ferien verbringen.

Medien berichten immer weitere grausame Einzelheiten über Ingrid Visser

Der Doppelmord, der Züge einer eiskalten Abrechnung im Mafiamilieu trägt, wird immer mysteriöser. Der Ermittlungsrichter hat eine Nachrichtensperre verhängt. Trotzdem berichteten spanische Medien über immer weitere grausame Einzelheiten und Szenarien, was der Hintergrund dieses mysteriösen Falls sein könnte. Jetzt sickerten neue Details aus dem Autopsiebericht durch. Dem männlichen Opfer Lodewijk Severein, dem Lebenspartner Vissers, wurden offenbar nicht nur einzeln die Zähne ausgerissen, sondern auch sämtliche Knochen gebrochen. Es spricht manches dafür, dass er und Ingrid Visser stundenlang misshandelt wurden. Warum? Sollten Informationen oder Zugeständnisse erpresst werden? Sie starben nicht durch Schüsse oder Stiche, sondern wurden totgeprügelt, bestätigte Joaquín Bascuñana, Sprecher der Ermittlungsbehörden. Die Holländer seien schweren Kopfverletzungen erlegen. Am Nachmittag des 26. Mai entdeckten die Fahnder schließlich die verscharrten Leichenteile, nachdem sie von einem geständigen spanischen Tatbeteiligten zu der Erdgrube im Zitronenhain geführt worden waren.

Dieser 36-jährige Spanier namens Juan Cuenca und die beiden rumänischen Auftragskiller, die auch in ihrem Heimatland ein Strafregister haben sollen, sitzen in Untersuchungshaft. Doch die Sonderkommission schließt nicht aus, dass sich hinter dieser Horrortat mehr verbirgt, dass die Hintermänner noch frei herumlaufen.

Polizeisprecher Bascuñana hat mehreren Behauptungen, die in Medien kursierten, widersprochen. Es gebe „keinen Beweis“, dass der spanische Tatverdächtige Cuenca diesen Doppelmord in Auftrag gegeben habe. Cuenca ist der frühere Geschäftsführer jenes Erstliga-Volleyballklubs, bei dem die Rekordnationalspielerin Ingrid Visser unter Vertrag war.

Es ging nicht um die Sportschulden

Ein Klub, der 2011 pleiteging und Visser etwa 100000 Euro schulden soll. Aber diese Sportschulden hat die Polizei als Motiv ausgeschlossen und stattdessen auf mysteriöse „Geschäfte“ verwiesen, welche Vissers Lebenspartner Severein, ein Volleyballmanager und umtriebiger Geschäftsmann, in Spanien unterhalten haben soll. Gefährliche Geschäfte, in welche Ingrid Visser hineingezogen wurde? Auch wenn die Polizei vermutlich schon mehr weiß, schweigen die Ermittler. Der Untersuchungsrichter hat höchste Geheimhaltung verfügt, nicht einmal die Anwälte der drei Verdächtigen haben Einsicht in die Akten. Umso mehr sprießen in dieser Ungewissheit die Spekulationen, deren Wahrheitsgehalt sich derzeit nicht überprüfen lässt.

Zu dieser Gemengelage gehört, dass Severein nicht nur mit Cuenca, sondern auch mit dessen Exchef, dem früheren Volleyballklubbesitzer Evedasto Lifante „Geschäfte“ gemacht haben soll. Cuenca wie Lifante, die in alten Klubzeiten eng zusammenarbeiteten, sollen beide finanzielle Probleme gehabt haben. Lifante, ein schillernder und politisch einflussreicher Unternehmer aus der Region, wurde aber bisher nicht offiziell beschuldigt.

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