Welt : Gegen was soll die Jugend rebellieren?

Studie: Teenagern fehlt der Gegner

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Hamburg - Eine Studie über die Lebenswelt deutscher Teenager hat nach Angaben der Forscher „aufrüttelnde und alarmierende“ Ergebnisse geliefert. „Jugendliche wissen nicht mehr, wofür sie gebraucht werden, wofür sie kämpfen und wogegen sie rebellieren können“, berichtete Stephan Grünewald vom Institut Rheingold am Montag, einer Kölner Einrichtung für tiefenpsychologische Markt- und Medienforschung. „Die Teenager heute befinden sich in einer sehr kippeligen Situation: Sie träumen davon, Superstar zu werden, im selben Moment haben sie Angst vor Hartz IV.“ Das Weltbild der Jugendlichen schwanke „zwischen Himmel und Hölle“, beschrieb Grünewald die „problematische“ Situation der jungen Menschen. Einerseits hätten sie das Gefühl, alles zu haben und fragten sich daher, wogegen sie rebellieren sollten.

Andererseits fühlten sie sich „einsam, komplett auf sich gestellt und ohnmächtig.“ „Dieses ständige Kippen der Bilder vom Paradiesischen ins Abgründige ist für die Jugendlichen sehr schwierig“, erläuterte der Instituts-Gründer. Daher entwickelten sie Strategien wie die „Dauerbefütterung bis hin zum Konsumkoma“, um sich abzulenken – ob durch ständige HandyTelefonate oder intensive Mediennutzung. Sich abzuschotten und abzugrenzen, gehört nach den Worten Grünewalds zu den weiteren Reaktionen der Teenager. Sie bauten eine Mauer um sich auf, lehnten Gesprächsangebote der Erwachsenen ab, zögen sich in die eigenen vier Wände zurück. Sie sehnten sich nach ihrem eigenen Terrain: „Sie möchten nicht, dass Eltern ihren Modestil kopieren oder mit in die Disco gehen“. Von den Erwachsenen erwarteten sie Klartext und Standpunkte – „nicht, um diesen Positionen zu folgen, sondern um eigene Gegenpositionen entwickeln zu können“. Nach „Ganzjahreskarneval und cooler Gleichgültigkeit“ in den 90er Jahren sowie „Generation Kuschel und das Streben nach Harmonie und Zugehörigkeit“ nach dem 11. September 2001 prägten „Abschottung und Flucht in künstliche Paradiese“ die Lebenswelt der Jugend 2007. dpa

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