• Nairobi: Militär setzt Befreiungsaktion weiter fort - zwei Terroristen getötet
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Geiseldrama in Nairobi : Militär setzt Befreiungsaktion weiter fort

Zwei Tage nach dem blutigen Überfall auf ein Einkaufszentrum in Kenias Hauptstadt ist das Drama noch immer nicht beendet. Bei dem Einsatz der Sicherheitskräfte sind zwei Terroristen getötet worden. Fast alle Geiseln sind mittlerweile frei.

Kenianische Sicherheitskräfte nähern sich dem Oshwal Center, das an die Westgate Shopping Mall angrenzt.
Kenianische Sicherheitskräfte nähern sich dem Oshwal Center, das an die Westgate Shopping Mall angrenzt.Foto: dpa

Die islamistischen Terroristen, die in Nairobi ein Einkaufszentrum überfallen haben, stammen aus mehreren verschiedenen Ländern. Es handele sich um eine „multinationale Gruppe“, sagte Militärsprecher Julius Karange am Montag. „Wir wissen, wer diese Leute sind. Wir kämpfen hier gegen globalen Terrorismus.“ Einzelne Nationalitäten nannte er nicht.

Derweil sank die offizielle Zahl der verifizierten Todesopfer auf 62. Die neue Zahl wurde sowohl vom Roten Kreuz als auch vom kenianischen Innenministerium mitgeteilt. Zuvor hatte es geheißen, 69 Menschen seien bei dem Überfall vom Samstag gestorben.

Bei dem Militäreinsatz sind auch zwei Terroristen getötet worden. Fast alle Geiseln seien befreit worden, teilte Innenminister Ole Lenku am Montagnachmittag mit. „Wir haben die Situation unter Kontrolle, es gibt keinen Grund zum Alarm“, erklärte er. Die Sicherheitskräfte kontrollierten mittlerweile alle Stockwerke und das Gebäude sei komplett abgesperrt.
Entgegen anders lautender Meldungen der vergangenen Tage handelte es sich demnach bei allen Tätern um Männer. Jedoch seien einige als Frauen verkleidet gewesen, um Verwirrung zu stiften.

Schwere Explosionen über Westgate

Im Westgate-Einkaufszentrum hatte es zuvor am Montag erneut schwere Explosionen gegeben. Wiederholt seien Schüsse gefallen. Das berichtet das Nachrichtenportal Daily Nation Kenia. Der Einsatz von Eliteeinheiten zur Befreiung der Geiseln geht unterdessen weiter. Die Polizei habe einen Verdächtigen festgenommen, der mit der Attacke in Zusammenhang stehen soll, berichteten kenianische Medien.

Der 33-Jährige sei kürzlich zum Islam übergetreten. Er lebe in Meru im Osten des Landes und sei gefasst worden, als er gerade ein Flugzeug in die Türkei besteigen wollte.

Zuvor hatten die somalischen Geiselnehmer damit gedroht, die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln zu töten. Der Sprecher der somalischen Shabaab-Miliz, Ali Mohammed Rage, erklärte auf einer islamistischen Website: „Wir gestatten den Mudschahedin in dem Gebäude, gegen die Gefangenen vorzugehen.“ In der Erklärung hieß es, die Shebab-Miliz sei in Kontakt mit den Geiselnehmern. Der Text prangerte zugleich die Einschüchterungsversuche „Israels und anderer christlicher Regierungen“ gegen das Shabaab-Kommando in Nairobi an.

Am Sonntagnachmittag hatte sich auch eine israelische Spezialeinheit an Versuchen zur Befreiung der Geiseln beteiligt. Das Einkaufszentrum ist zum Teil in israelischem Besitz. Wie viele Geiseln sich noch in der Gewalt der schwer bewaffneten Milizionäre befanden, war weiterhin nicht klar.

Schüsse im Einkaufszentrum

Am Montagmorgen waren nach kenianischen Medienberichten wieder Schüsse aus dem Gebäude zu hören. Ein AFP-Reporter hörte eine Viertelstunde lang anhaltende intensive Schüsse. Ein Vertreter der kenianischen Sicherheitskräfte bestätigte, dass ein Angriff auf die islamistischen Geiselnehmer laufe. Augenzeugen berichteten auch von einer heftigen Explosion. Offenbar halten sich noch immer bis zu 15 Täter in dem vierstöckigen Zentrum auf. Sie sollen noch etwa zehn Geiseln in ihrer Gewalt haben.

Mindestens 68 Menschen sind ums Leben gekommen

Nach Angaben des kenianischen Militärs waren die meisten Geiseln am Sonntagabend gerettet worden, nachdem Eliteeinheiten weit in das Gebäude vorgedrungen waren. Mindestens 68 Menschen waren bei dem Angriff am Samstag ums Leben gekommen, rund 175 wurden verletzt. Zu der Tat bekannte sich die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia. Sie will Vergeltung für Kenias Militäreinsatz gegen die Gruppe. Nairobi hatte Ende 2011 Soldaten in das Nachbarland entsandt.

Geiseldrama in Kenia
Das Westgate-Einkaufszentrum nach seiner Stürmung. Drei Wochen nach dem Terroranschlag in Nairobi zeichnet sich immer mehr ab, dass die kenianischen Sicherheitsbehörden dramatisch versagt haben. Dass das Einkaufszentrum nun ein Trümmerhaufen ist, unter dem sich noch immer Leichen befinden könnten - knapp 40 Menschen werden weiterhin vermisst -, ist offenbar vor allem der kenianischen Armee zu verdanken, die mit einem Feuer und dem Einsatz schwerer Waffen wohl vor allem ihre eigenen Plünderungen kaschieren wollte.Weitere Bilder anzeigen
1 von 37Foto: dpa
14.10.2013 17:35Das Westgate-Einkaufszentrum nach seiner Stürmung. Drei Wochen nach dem Terroranschlag in Nairobi zeichnet sich immer mehr ab,...

Nach der Ankündigung, die meisten Geiseln seien frei, sahen weder Journalisten noch Rettungshelfer an verschiedenen Posten nahe des Einkaufszentrums befreite Geiseln.

Behörden gehen von 15 Angreifern aus

Die Einsatzkräfte in Nairobi hatten wiederholt versichert, alles Nötige für die festgehaltenen Angestellten und Kunden in der Shopping Mall zu tun und die Geiselnahme zu einem „raschen Ende“ zu bringen. Die Behörden gingen von zehn bis 15 Angreifern aus und erklärten, sie hätten sie lokalisieren können. Einige von ihnen seien noch immer bewaffnet. Mindestens vier Soldaten wurden bei der Befreiung von Geiseln am Sonntag verletzt, wie das Militär mitteilte.

Kein Ende des Geiseldramas in Sicht

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Nach dem tödlichen Anschlag auf das Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi halten sich die Shabaab-Milizen dort weiterhin verschanzt.

Terror-Anschlag in Nairobi: 59 Tote, Lage weiter unklar

Der Angriff in Nairobi ist der blutigste in der kenianischen Hauptstadt seit dem Anschlag des Terrornetzwerks Al Qaida auf die US-Botschaft im August 1998, bei dem mehr als 200 Menschen starben. Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta kündigte in einer Fernsehansprache am Sonntag an, nicht zu ruhen, bis alle Täter und Drahtzieher gefasst seien. Er selbst habe einen Neffen und dessen Verlobte bei der Attacke verloren. Überlebende hatten geschildert, wie die Angreifer ihre Opfer regelrecht hinrichteten. Rund 200 Menschen wurden bei der Tragödie verletzt. (AFP/dpa)

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