Welt : Geld und Liebe

Die mysteriöse Geschichte von dem tot geglaubten britischen Kanufahrer ist aufgeklärt – seine Frau redet

London - Ein Schuldenberg und die Liebe zu ihrem Mann sollen die Frau eines seit Jahren totgeglaubten britischen Kanufahrers bewogen haben, bei einem unglaublichen Lügenkomplott mitzumachen. In einer ausführlichen Beichte gegenüber zwei britischen Boulevardzeitungen berichtete Anne Darwin am Samstag über die mysteriöse Geschichte, die die britische Öffentlichkeit seit Tagen bewegt. Sie erzählte, wie ihr Mann jahrelang heimlich bei ihr zu Hause wohnte, während selbst die Söhne des Paares in dem Glauben gelassen wurden, ihr Vater sei tot. Die 55-Jährige hatte Panama in der vergangenen Woche verlassen und wurde in Großbritannien erwartet, wo ihr die umgehende Festnahme bevorsteht. Ihr Mann befindet sich bereits seit Dienstag in Haft.

Hohe Schulden hätten ihren Mann dazu gebracht, seinen Tod vorzutäuschen, sagte Anne Darwin den Blättern „Daily Mail“ und „Daily Mirror“. „Ich weiß, es scheint zu unglaublich, um wahr zu sein“, sagte Darwin den Zeitungen. „Drei Jahre lang war John bei mir zu Hause, während praktisch alle uns nahestehenden Menschen glaubten, er sei tot.“ Sie versicherte jedoch, sie habe zunächst wirklich geglaubt, dass ihr Mann tot sei. Er hatte zwar angedeutet, der vorgetäuschte Tod sei der einzige Ausweg aus seinem Schuldenproblem, doch als er von seinem Kanuausflug nicht zurückkkehrte, „glaubte ich wirklich, dass er tot sei“. Erst elf Monate später habe er auf ihrer Schwelle gestanden.

Kurz nach Darwins Rückkehr zu seiner Frau hatte diese ihn für tot erklären lassen und eine Lebensversicherung von umgerechnet 34 000 Euro, die Ablösung ihres Hausdarlehens in Höhe von 180 000 Euro sowie eine Witwenrente kassiert. Er sei „weinend zusammengebrochen“, als er bei seiner Rückkehr erfuhr, dass sie die Lebensversicherung noch nicht beansprucht habe, berichtete Anne Darwin.

Das Ehepaar wird sich voraussichtlich wegen Betrugs verantworten müssen. Er war am 1. Dezember auf einem Revier in London aufgetaucht und hatte Gedächtnisverlust vorgetäuscht. Damit wollte er seiner Frau zufolge mit der Lügengeschichte Schluss machen und seine Söhne wiedersehen.

Wo Anne Darwin sich am Wochenende aufhielt, war zunächst unklar, sie wurde aber in Großbritannien zurückerwartet. Sie habe „schreckliche Angst“ bei der Vorstellung, dass sie dann festgenommen werde, sagte sie den Zeitungen. Sie berichtete, ihr Mann habe sich während des heimlichen Zusammenlebens auf der Straße verkleidet und gehinkt, um nicht erkannt zu werden. Wenn die trauernden Söhne kamen, um die Mutter zu besuchen, versteckte er sich in einem benachbarten Ein-Zimmer-Appartement.

Die Söhne reagierten nach Bekanntwerden der Geschichte erbost. Sie wollten keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern, erklärten sie. Anne Darwin bedauerte das. „Jungs, glaubt eurer Mama, es tut mir wirklich sehr leid und ich liebe euch immer noch und ich hoffe, ihr habt die Kraft, uns eines Tages zu verzeihen.“ AFP

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