Generation Solidarität : Griechen spenden Medikamente

Viele Griechen können sich in der Krise keine Krankenversicherung mehr leisten. In unserer Reihe Generation Solidarität stellen wir in dieser Woche einen Arzt vor, der Medikamente für bedürftige Patienten im Internet sammelt. Mit großem Erfolg.

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Teures Gut. Medikamente sind für viele Griechen unerschwinglich geworden.
Teures Gut. Medikamente sind für viele Griechen unerschwinglich geworden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Wenn ein Patient dringend ein Medikament braucht, stellt Georges Vichas einen Aufruf ins Internet, verbreitet ihn über soziale Netzwerke - und muss dann nur noch warten. "Nach weniger als fünf Minuten klingelt das Telefon", sagt der Kardiologe. "Es ist unglaublich, wie schnell sich die Leute melden."

In der Wirtschaftskrise haben tausende Griechen ihre Krankenversicherung verloren. Der Anteil der Menschen ohne Versicherung wird inzwischen auf etwa 40 Prozent geschätzt. Viele Ärzte wollen sich jedoch nicht damit abfinden, dass diesen Griechen der Zugang zum Gesundheitssystem verwehrt bleibt. Sie gründeten Krankenhäuser, in denen Bedürftige kostenlos behandelt werden. Und sammeln Medikamente im Internet.

Im medizinisch-sozialen Zentrum von Ellinikon in der Nähe von Athen nimmt Georges Vichas seit knapp einem Jahr Patienten aus dem ganzen Land auf. Psychiater, Neurologen, Gynäkologen, Zahnärzte und Kinderärzte - sie alle arbeiten ehrenamtlich und wechseln sich ab. Georges Vichas veröffentlicht jeden Tag eine Liste mit Medikamenten, die am dringendsten benötigt. Menschen, die geheilt sind, oder Angehörige von Verstorbenen senden Arzeneimittel, die sie nicht mehr benötigen. Von einer Krebsmitteln bis zur Säuglingsmilch: die Griechen antworten zuhauf und schicken Medikamente aus ihrer Hausapotheke.

Das Arte Video zum griechischen Gesundheitssystem:

In unserer Reihe "Generation Solidarität" stellen wir in Kooperation mit Arte jede Woche ein Projekt vor. Mal geht es darum, wie man Wohnungsräumungen von Kreditopfern verhindern kann, mal werden Dörfer für Obdachlose gebaut, Gemeinschaftsgärten bepflanzt oder mit Kunst gegen das herrschende System aus Ratingagenturen, Finanzmanagern und Bankenmacht protestieret.

Jede Woche wählt das Internetteam von Arte mehrere Projekte, Beiträge oder Kommentare aus und stellt sie in einem Video zusammen, das dann im Arte Journal (um 19.10 Uhr auf Deutsch ; um 19.45 Uhr auf Französisch) gesendet wird. Die Videos können Sie exklusiv auch bei Tagesspiegel Online sehen.

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