Welt : Genforscher: Ludwig XVII. starb in Festungshaft

Mit Hilfe von Gentests haben deutsche und belgische Experten eines der großen Rätsel der französischen Geschichte gelöst. Die Rechtsmediziner Jean-Jacques Cassiman von der Universität Löwen und Bernd Brinkmann von der Uni Münster legten am Mittwoch in Paris ihre übereinstimmenden Ergebnisse vor, wonach Ludwig XVII., der Sohn von Marie-Antoinette, tatsächlich 1795 im Alter von zehn Jahren in Festungshaft starb und somit keine Nachfahren gezeugt haben kann. Als Beweisstück verwendeten sie ein mehr als 200 Jahre altes Kinderherz, das in Alkohol eingelegt die Zeit überdauerte und von dem erst jetzt endgültig feststeht, dass es das Herz des Thronfolgers ist. Dutzende Hochstapler hatten im 19. Jahrhundert das Rätsel um den Tod des Thronfolgers ausgenutzt und behauptet, ein Nachfahre des Königs oder gar der entflohene Ludwig XVII. selbst zu sein. So behauptete der Spandauer Uhrmacher Karl Ludwig Naundorff in einem 1836 veröffentlichten Buch, er sei 40 Jahre zuvor angeblich in der Pariser Festung Temple durch ein anderes Kind ausgetauscht worden und über Frankfurt nach Berlin entkommen.

Cassiman und Brinkmann untersuchten jetzt den genetischen Fingerabdruck der Herzzellen und verglichen ihn mit dem Genmaterial, das sie aus Haarlocken von Marie-Antoinette und deren Schwestern gewonnen hatten. Außerdem zogen sie auch Genmaterial von Marie-Antoinettes heute lebenden Nachfahren - Anna von Rumänien und deren Bruder André- hinzu. "Die Ergebnisse untermauern eindeutig die offizielle Version, dass Ludwig XVII. und nicht ein anderer am 8. Juni 1795 im Gefängnis in Paris starb", hieß es in dem Bericht der beiden Rechtsmediziner. Er war 1793 ins Gefängnis gesteckt worden, nachdem die französischen Revolutionäre seinen Vater, Ludwig XVI., und Marie-Antoinette hingerichtet hatten. Sein auf die Größe einer Olive zusammengeschrumpftes Herz wurde in der Grabeskirche der französischen Könige im Pariser Vorort Saint Denis aufbewahrt.

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