Gericht kippt "Sittengesetz" : Alles im Eimer auf Mallorca

Ein Gericht auf Mallorca hat das seit 2014 geltende "Sittengesetz" gekippt. Die Verwaltung will öffentliche Trinkgelage aber weiter verbieten.

Literweise Sangria - das gehört für viele zu einem Urlaub auf Mallorca.
Literweise Sangria - das gehört für viele zu einem Urlaub auf Mallorca.Foto: picture-alliance/ dpa

Wer mag dies nicht: Eine leckere und eiskalte Sangria in einem netten Strandlokal – das gehört für viele Touristen zum Mallorca-Urlaub. Es muss ja nicht gleich aus Eimern getrunken werden. Jenen Fünf- oder Zehn-Liter-Behältnissen, die schon länger zum Symbol eines ungezügelten Sauftourismus geworden sind, der von Mallorcas Sittenwächtern bekämpft wird. Vor allem, weil die betrunkenen Horden dem Image Mallorcas schaden und oft Probleme der öffentlichen Ordnung schaffen.

Vorübergehend können Kampftrinker nun jubeln, weil sie Amtshilfe von Mallorcas oberstem Gericht bekamen. Die Richter kippten ein Benimmgesetz der Inselhauptstadt Palma, das öffentliche Besäufnisse, Ruhestörung, Strandverschmutzung, öffentliches Urinieren und anderes „unzivilisiertes Verhalten“ verbot. Grund: Das Rathaus habe seine lokale Zuständigkeit überschritten und in nationale Kompetenzen eingegriffen.

18.000 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten wurden eingeleitet

Dieses Sittengesetz, mit dem seit 2014 an der Playa de Palma, dem „Ballermann“- Strand, für Benimm gesorgt wurde, ahndete mehr als 100 mögliche Rechtsverstöße. Darunter auch die an Palmas Tourismusmeile ausufernde Prostitution sowie Trickbetrug, Drogengeschäfte und den Verkauf durch fliegende Händler. Aber auch Straßenkünstlern wurde das Leben schwer gemacht. Im Volksmund wurde das dicke Regelwerk einfach nur kurz „Eimersaufverbot“ genannt. Seit Inkrafttreten des nun wieder gekippten Benimmgesetzes waren 18.000 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.

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„Dürfen sich Urlauber an der Partymeile Playa de Palma bald wieder benehmen, wie sie wollen?“, fragte die Inselzeitung „Mallorca Magazin“ besorgt. Palmas Verwaltung beruhigte inzwischen die Hotel- und Reisebranche, die seit Jahren fordert, konsequent gegen Alkoholexzesse und Sextourismus vorzugehen und stattdessen für einen „Qualitätstourismus“ zu werben. „Die Sangria-Eimer kehren nicht an den Strand zurück“, sagte eine Sprecherin.

Die Polizei soll weiterhin Sangria-Eimer am Strand beschlagnahmen


Die Stadtverwaltung Palmas weist darauf hin, dass nach der Annullierung der umfangreichen „Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben“ nun wieder jene kommunalen Normen gelten, die durch das Sittengesetz ersetzt worden waren. Und das reiche aus, um „unbürgerliches Benehmen“ zu bestrafen. So werden öffentliche Trinkgelage wieder mit einer aus 2011 stammenden Bestimmung bekämpft. Damit habe man genügend Handhabe, um gegen das Eimersaufen am Strand vorzugehen. Die Polizei auf Mallorca werde daher weiterhin Verstöße mit Geldbußen ahnden und Sangria-Eimer beschlagnahmen.

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