Gerichtsurteil : Haftstrafen nach Mord an Lehrerin

Im Prozess um den Mord an einer Deutschlehrerin hat das Landgericht Lübeck zwei junge Männer zu mehrjährigen Jugendstrafen verurteilt.

Lübeck - Getötet aus Rache für schlechte Noten: Im Prozess um den Mord an einer Deutschlehrerin hat das Landgericht Lübeck zwei Brüder zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Der 21 Jahre alte Haupttäter erhielt am Mittwoch wegen Mordes acht Jahre und neun Monate Jugendstrafe, sein 18 Jahre alter Bruder muss wegen gefährlicher Körperverletzung für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Die Richter der Jugendstrafkammer sahen es als erwiesen an, dass die beiden jungen Männer die 55-jährige Lehrerin in deren Ahrensburger Wohnung überfallen und mit einem Messer getötet haben.

Auslöser der Tat im Januar sei eine Bagatelle gewesen, wie sie zum ganz normalen Schulalltag gehöre, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung: «Die Kammer hat eine Tat dieses Ausmaßes aus einem derart geringfügigen Anlass noch nicht erlebt.» Nur der 21-Jährige hatte zu den Hintergründen ausgesagt: Grund seien die Beschwerden seines Bruders über angebliche Schikanen im Unterricht gewesen.

Die von Schülern, Eltern und Lehrern als streng, aber gerecht geschilderte Realschulpädagogin habe den 18-Jährigen ungerecht behandelt, hatte der Ältere zu Beginn des Prozesses erklärt. Sie habe ihm Sechsen für nicht vorgelegte Berichtigungen und unentschuldigtes Fehlen gegeben. Damit war die Lehrerin einem Beschluss der Schulkonferenz gefolgt. Die Schule hatte ihre Jugendlichen durch das harte Durchgreifen zu mehr Disziplin anhalten wollen. Wenige Monate nach dem Tod der Lehrerin war das Regelwerk abgeschafft worden.

Nach Feststellungen des Gerichts hatte der 21-Jährige die Frau bei der Tat sechs Mal mit einem Schlagring traktiert und so zu Boden geschlagen. Dann rammte er seinem Opfer ein rund 30 Zentimeter langes Fleischermesser acht Mal in den Brustkorb und schnitt der Frau die Kehle durch. Der Angeklagte hatte im Verfahren selbst davon gesprochen, dass er die Lehrerin «abgeschlachtet» habe. Der 18- Jährige schwieg dagegen zu allen Vorwürfen. Eine Beteiligung an der Tötung oder gar ein Mord, wie es die Anklage vorausgesetzt hatte, war ihm nach Auffassung des Gerichts nicht nachzuweisen. Die von seinem Bruder von vornherein geplante Gewalt gegen die Lehrerin habe er allerdings unterstützt.

Mit dem Urteil blieb das Gericht zum Teil deutlich unter den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Nebenklage, die mit ihrem Antrag von neun Jahren und neun Monaten nahezu die Höchststrafe ausschöpfen wollten. Die Verteidigung hatte für den 18-Jährigen Freispruch, für seinen Bruder fünfeinhalb Jahre Jugendstrafe beantragt. (tso/dpa)

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