Germany's Next Topmodel : Schöner Schein

Steht die Gewinnerin von Heidi Klums Castingshow schon fest? Im Internet kursieren viele Gerüchte.

Torben Waleczek
Heidi Klum
Model-Mama Heidi Klum. Dass bei ihrer Show alles mit rechten Dingen zugeht, bezweifeln Blogger im Netz. -Foto: ddp

Gut möglich, dass Marie Nasemann die vierte Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ gewinnt. Strahlend blaue Augen, ein makelloses Gesicht, verträumter Blick – beste Voraussetzungen also für die hübsche Marie, um Heidi Klums Modelsuche als Siegerin zu verlassen. Aber gut aussehen tun sie ja alle, mehr oder weniger jedenfalls, die zehn verbliebenen Kandidatinnen in der Pro-7-Castingshow. Woher also kommt das Gerücht, dass ausgerechnet Marie Nasemann schon jetzt als Gewinnerin feststeht?

Im Internet sammeln Blogger und Freizeit-Society-Experten derzeit Indizien für einen großen Betrug bei „Germany’s Next Topmodel“. Ein abgekartetes Spiel sei im Gange, wer gewinnt, sei längst klar. Doch nicht nur unter Internetbloggern regen sich derlei Spekulationen. Auch das People-Magazin „Ok!“ wittert eine böse Intrige: „Der Klum-Clan hat bereits eine Kandidatin ausgewählt – lange vor der Show“, heißt es in einem Artikel über das Modelcasting. Und die Berliner Boulevardzeitung BZ fragt voller Sorge: „Was macht Heidis Patentante mit der schönen Marie?“

Wie immer, wenn Verschwörung ins Spiel kommt, muss irgendjemand im Hintergrund an den Fäden ziehen. Dass der Vater von Heidi Klum an der Vermarktung der Models kräftig mitverdient, wissen Fans der Sendung schon von den früheren Staffeln. Jetzt also Heidi Klums Patentante Anneli Wilden. Die Dame aus Bergisch-Gladbach hat sich die Rechte an den Internetadressen Marienasemann.de und Marie-Nasemann.de gesichert. Und das angeblich schon im April 2008, lange bevor die Besetzung der Endrunde des Topmodelcastings feststand.

Als der Vorgang kürzlich publik wurde, ging ein Aufschrei der Entrüstung durch die Internetwelt und halbseriöse Klatschmagazine. Blöd nur, dass der Vorwurf so nicht ganz stimmt, wie jetzt auch einige Klum-Kritiker kleinlaut zugeben. Denn Heidis Patentante Anneli Wilden hat nicht bloß die Webadresse von Kandidatin Marie Nasemann für sich reserviert, sondern unter anderen auch: Saranuru.de, Stefanietheissing.de, Sarinanowak.de, Mariabeckmann.de, Jessicamotzkus.de und Irameindl.de. Mithin fast alle Mädchen, die zur Endrunde von „Germany’s next Topmodel“ nach Los Angeles geflogen sind. Nachlesen kann das jeder in speziellen Internetdatenbanken, sogenannten Whois-Datenbanken. Dort findet sich auch das Datum, an dem Marie Nasemann und die anderen Kandidatinnen auf den Namen von Anneli Wilden angemeldet wurden: der 23. Dezember 2008. Aber gab es da nicht die Behauptung, die Adresse Marie-Nasemann.de sei schon viel früher, nämlich im April 2008, an Heidi Klums Patentante gegangen?

Zum Glück entwickelt das Internet langsam aber sicher Kräfte zur Selbstreinigung, die schlampig recherchierte Geschichten wieder aus der Welt schaffen. Die Macher der Webseite „factorfake.de“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, penetrante Medienmythen zu dekonstruieren – und das gelingt ihnen auch im aktuellen Fall. Denn das Datum 28. April 2008, das im Zusammenhang mit Anneli Wilden in manchen Datenbanken auftaucht, bezieht sich allein auf die letzte Änderung am Personeneintrag von Anneli Wilden – nicht aber auf die Registrierung der Webadresse Marie-Nasemann.de. „Beweise, dass Marie Nasemanns Domain schon im April oder zu irgendeinem anderen, früheren Termin angemeldet wurde, existieren nicht“, heißt es dazu bei „factorfake.de“.

Trotzdem reißen die Gerüchte um die hübsche Brünette nicht ab. Angeblich stand Marie Nasemann schon für die Zeitschriften Elle Deco, Bravo Girl, Mädchen und den Focus vor der Kamera. Die Agentur Most Wanted Models wirbt für sie schon jetzt mit einer professionellen Setcard. Gut möglich also, dass Marie Nasemann angesichts dieser Erfahrungen im Model-Business die vierte Staffel gewinnt. Auch ohne die Hilfe von Heidi Klums Patentante.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben