Welt : Gespanntes Warten in Santa Maria

-

Santa Maria Der Warte-Thriller geht in die zweite Woche: Mit jedem weiteren Tag ohne Urteil im Prozess gegen Popstar Michael Jackson werden die Nerven in Santa Maria dünner und die Spannungen zwischen Fans und Reportern größer. Größer wird auch der Profit, den einige Bewohner der gewöhnlich verschlafenen Kleinstadt aus dem „Jahrhundertprozess“ herausschlagen. „Ich habe bestimmt schon 300 000 Dollar an Jackson verdient“, sagte Anwalt Michael Clayton der „San Luis Obispo Tribune“. Er hat das Flachdach seiner Kanzlei gegenüber vom Gericht an Fernsehteams vermietet, für täglich 2500 Dollar pro Parzelle. Die Stadtväter veranschlagen ein Plus von über 200 000 Dollar durch Mieteinnahmen und zusätzliche Abgaben der ausgebuchten Hotels. Auch schlagen die über 500 Knöllchen zu Buche, die seit Prozessbeginn an Schaulustige und Autofahrer vor dem Gericht ausgeteilt wurden.

Die Polizei macht sich im Falles eines Schuldspruchs aber auf Schlimmeres gefasst. „Wir gehen auf Nummer Sicher“, sagte Polizeichef Danny Macagni der „Los Angeles Times“. „Wir erlauben den Fans nicht, Steine bei sich zu haben.“ Um Steine und große Tannenzapfen ist tatsächlich ein Streit entbrannt. Was die Polizei für mögliche Wurfgeschosse hält, sehen die Fans als harmlose Briefbeschwerer für ihre Poster. 200 Polizeibeamte sollen bei der Urteilsverkündung bereit stehen, um mögliche Tumulte beizulegen.

„Wir haben nichts anderes geplant, als den Freispruch von Michael Jackson zu feiern“, versichert Fan-Organisator Faisal Malik. Der 30-jährige Kalifornier räumt aber ein, dass einige Fans „sehr verärgert“ auf einen Schuldspruch reagieren könnten. Malik gibt der „viel zu großen Journalistenmeute, die uns ihre Kameras ins Gesicht schieben“, die Schuld an der wachsenden Anspannung.

Mit jedem Wartetag kommt es zu lauteren Schimpftiraden zwischen den rund 200 Fans und Vertretern des mittlerweile 2000 Köpfe starken Pressecorps. Ein 18-jähriger Jackson-Anhänger, der seit Monaten vor dem Gerichtsgebäude gegen die „lügenden Reporter“ protestiert, ging aus Sicht der Polizei zu weit. B.J. Hickman hatte mit lauten Schmährufen die Jackson-kritische Star-Reporterin Diane Dimond vom Sender Court-TV bombardiert. Sie fühlte sich bedroht und erwirkte vor Gericht, dass der Fan nun 20 Meter Abstand halten muss.

Jackson ist angeklagt, vor gut zwei Jahren einen damals 13 Jahre alten Jungen mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell missbraucht zu haben. Fest steht, dass die zwölf Geschworenen am Montag ihre Gespräche in Santa Maria fortsetzen sollen. Nach über 28 Stunden hinter geschlossenen Türen haben die acht Frauen und vier Männer noch keine Entscheidung getroffen. Von offizieller Seite wurde nur bekannt, dass sich das Gremium am letzten Montag mit einer Frage an den Richter wandte. Der Sender CNN teilte unter Berufung auf nicht genannte Quellen mit, dass die Jury nun auch einige Zeugenaussagen erneut anhören wollte.dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar