Gesundheit : Mediziner warnen vor gefälschten Medikamenten

An den EU-Grenzen wurden im Jahr 2007 mehr als vier Millionen gefälschter Arzneimittelpackungen sichergestellt - 570 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor.

WiesbadenDer Anteil der Medikamenten-Plagiate in Deutschland werde zwar auf weniger als ein Prozent geschätzt, aber die Mediziner der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin vwarnen vor dem Kauf von Medikamenten im Internet: Sie könnten gefälscht und die Einnahme daher lebensgefährlich sein. Allein jede zweite im Internet angebotene Viagra-Packung dürfte gefälscht sein, hieß es. Auch Arzneimittel-Schnäppchen im Ausland seien oft wirkungslos oder gefährlich. 

Die Mediziner befürchten, dass auch in Deutschland immer mehr wirkungslose oder gefährliche Mittel angeboten werden. Medikamente, aber auch Anabolika oder Schlankheitsmittel könnten sehr leicht über das Internet angeboten werden, hieß es zur Begründung. Zudem lockten enorme Gewinne. "Es ist unglaublich, was man mit Fälschungen verdienen kann", sagte der Mediziner Franz-Josef Wingen. Es gebe Schätzungen, nach denen so weltweit ein Umsatz von jährlich 17 Milliarden Euro erzielt wird.

Gefälschte Medikamente können reich machen

Untersuchungen zeigten, dass mit 1000 Euro Einsatz mit Falschgeld 3300 Euro, mit gefälschten Kreditkarten 6700 Euro, mit gefälschter Software bis 100.000 Euro - und mit gefälschten Medikamenten eine halbe Million Euro verdient werden könne. Prof. Harald Schweim von der Universität Bonn nannte es erschreckend, wie leicht ein Apotheken-Angebot im Internet gefälscht werden könne.

Es gebe aber auch Probleme mit legalen Internet-Apotheken. So verkauften in den USA 85 Prozent dieser Apotheken verschreibungspflichtige Medikamente an jedermann: "Sie kriegen dort alles", sagte Schweim. Er bezeichnete die Zulassung von Internet- Apotheken als großen Fehler. Die Mediziner rieten dazu auf, Medikamente nur in lokalen Apotheken zu kaufen. Ärzte seien gefordert, mit ihren Patienten über das Problem zu reden.

Auch Mittel ohne Wirkstoffe können gefährlich sein

Nach einer von den Medizinern zitierten Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit rund zehn Prozent aller verschickten Arzneimittel Fälschungen und enthalten keinen Wirkstoff, den falschen oder Verunreinigungen. Der Schaden für die Pharmaindustrie wird auf 30 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Auch Mittel ohne Wirkstoff könnten gefährlich sein, warnte Schweim. So drohe beim Potenzmittel Viagra die Gefahr, dass ein Konsument wegen der ausbleibenden Wirkung stets mehrere Pillen nehme. Kaufe er dann einmal "echte" Tabletten, nehme er auch davon mehr als eine - mit teils schlimmen Folgen. Schweim wies auf sechs Viagra- Todesopfer in England hin - die das Mittel bis zu 300 Prozent überdosiert hatten. (jg/dpa)

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