Gesundheit : Mit den Clowns kommen die Tränen

Spaßmacher in Krankenhäusern sollen junge Patienten aufheitern. Eine Studie zeigt: Oft klappt es nicht.

Adelheid Müller-Lissner
Clown
Lachnummer? Clown im Krankenhaus. -Foto: Imago

Ein Tag ohne Lächeln sei ein verlorener Tag, soll der große Charlie Chaplin gesagt haben. Der besondere Charme dieses Komikers bestand darin, dass er oft wirkte wie ein großes Kind. Kinder wünschen wir uns lachend, unbeschwert und heiter. Vor allem ein Kind, das schwer krank ist, das Schmerzen hat und schon versteht, dass seine Krankheit bedrohlich sein kann, ist aber oft sehr ernst. Wenn sie dann auch noch ins Krankenhaus müssen, ziehen sich manche Kinder ganz in sich zurück. In den vergangenen Jahren wurde viel getan, um diese Orte wenigstens freundlicher zu gestalten: Vielfach tragen die Ärzte und Ärztinnen dort keine weißen Kittel mehr, es gibt Spielsachen und Bücher, die Gestaltung der Räume ist freundlich.

An der School of Nursing der britischen Universität Sheffield beschäftigen sich Pflegeforscher aber inzwischen auch damit, wie diese Veränderungen bei der kindlichen Zielgruppe tatsächlich ankommen. Gut gemeint allein reicht schließlich nicht – wichtig ist, ob es den Kindern auch besser geht, wenn Erwachsene sich bemühen, ihr Umfeld "kindgerecht" zu verändern. Jetzt erregte eine Meldung Aufsehen, die daran Zweifel aufkommen lässt: Wie britische Forscher herausfanden, haben viele Kinder Angst vor Bildern von Clowns, die in bester Absicht von Erwachsenen an die Wände von Krankenzimmern und Fluren gehängt werden. Die Wissenschaftler befragten für ihre Studie 250 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren, die als Patienten in drei Krankenhäusern der Region lagen, über den Bilderschmuck in Kliniken. "Als Erwachsene haben wir Vorstellungen darüber, was bei Kindern funktioniert, aber Clowns werden von Kindern im Allgemeinen nicht gemocht", sagte die Forscherin Penny Curtis in einem Gespräch mit BBC.

So weitreichende Schlussfolgerungen, die auch die Arbeit der Spaßmacher im Zirkus und nicht zuletzt ihren Einsatz auf Kinderstationen einschließen würden, lässt die Studie, die jetzt in der britischen Pflegezeitschrift "Nursing Standard" erschienen ist, allerdings nicht zu. Dort wurde schließlich nur nach Clownfotos als bunter Zimmerdekoration gefragt. Oliver Bilke, Klinikdirektor für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Vivantes-Humboldt-Klinikum und Vivantes-Klinikum Hellersdorf, findet zudem die Altersspanne der Befragten erstaunlich groß. "Man sollte nicht vom Kindergartenkind bis zum Jugendlichen alle in einen Topf werfen." Dass vor allem kleine Kinder angesichts von „aufgesetzter, stilisierter und aufwendig inszenierter Affektivität“ bei klassischen Clowndarbietungen im Zirkus Angst bekommen können und sich abwenden, ist bekannt. Diese "adultomorphe Vorstellung von Humor" könne Kinder abschrecken, die von schauspielerischen Darbietungen vor allem Echtheit und Alltagsnähe erwarten, sagt der Kinderpsychiater.

Wenn Clowns in Krankenhäusern ans Bett der Kinder kommen, so ist ihre Arbeit meist in ein Konzept eingebunden. So gibt es an der Charité unter anderem für krebskranke Kinder, die eine Knochenmarktransplantation brauchen und zwei bis drei Monate in der Klinik liegen, regelmäßig eine "Clownsprechstunde". Solche Besuche seien "garantiert ohne Risiken und Nebenwirkungen", heißt es auf der Homepage der Organisatoren (www.clownsprechstunde.de). Denn trotz seiner Größe gelinge es einem Clown, sich durch sein kindliches Gemüt auf der gleichen Ebene zu bewegen wie ein Kind. Doch stimmt das?

Kerstin Sauer, Referentin des Charité-Centrums 17 für Frauen-, Kinder- und Jugendmedizin, sagt, dass die Akteure dieses Programms in engem Austausch mit den Ärzten und Pflegekräften stehen. "Angebote für kranke Kinder sind immer sehr diffizil. Man muss sich bewusst machen, dass ein Clown ihnen auch etwas abfordert. Und dass sie manchmal einfach ihre Ruhe brauchen." Ob die Spaßmacher bei ihnen Visite machen sollen, darüber könnten die Kinder selbst bestimmen, versichert Sibylle Fischer, Geschäftsführerin von "Rote Nasen e.V.", einer Organisation, deren Clowns alle neben einer künstlerischen Vorbildung eine zusätzliche Schulung für die neue Aufgabe machen müssen.

Bisher findet die Clownsprechstunde im Charité-Centrum auf drei Stationen regelmäßig statt. "Das Echo von Kindern, Pflegekräften und Ärzten ist ganz unterschiedlich", sagt Kerstin Sauer. Da liegt es nahe, sich der Frage ganz ernsthaft wissenschaftlich zu widmen – wie die Briten es mit den Bildern an der Wand jetzt getan haben. Ob, wie und unter welchen Bedingungen die Visiten der Rotnasen tatsächlich wirken, soll eine Studie mit dem Titel "Integrierte Clowntherapie bei Kindern mit chronischen Erkrankungen" herausfinden, die 2006 an der Charité begonnen wurde.

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