Gesundheit : 100 Jahre Quantenphysik: Photonen in die Schule!

tdp

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) stand dieses Jahr vor einer schwierigen Aufgabe. Sie sollte, vom Bundesforschungsministerium großzügig gefördert, ihr Fachgebiet einer breiten Öffentlichkeit vorstellen - Auftakt einer Initiative "Wissenschaft im Dialog", in deren Brennpunkt im kommenden Jahr die Lebenswissenschaften stehen werden. Also holte man rund 2000 Physiker aus ihren Labors. Einige von ihnen setzten sich in Talkshows, andere gingen ins Kaufhaus, wo sie mit den Bürgern über den Urknall und die Kernkraft diskutierten. Und jetzt, zum Ausklang des "Jahres der Physik", wollen sie dem Publikum gar die Quantentheorie in Vorträgen, Diskussionen und Ausstellungen näher bringen.

Die Resonanz gibt den Initiatoren bislang Recht. "Das Interesse an den Naturwissenschaften ist viel größer, als die meisten von uns vorher vermutet hätten", resümierte Heiner Müller-Krumbhaar vom Forschungszentrum Jülich in der Berliner Staatsbibliothek. Allein zu den Hauptveranstaltungen in Bonn und Berlin seien mehr als 50 000 Besucher gekommen.

Zu den Zielen der bundesweiten Initiative gehört es auch, Schüler und Studenten für die Naturwissenschaften zu erwärmen. Das Interesse am Physikstudium etwa ist in den vergangenen Jahren stark gesunken. "Bald werden wir in Deutschland nur noch etwa 500 Promotionen im Jahr in der Physik haben", unterstrich Alexander Bradshaw, Vize-Präsident der DPG. Das sei für eine Industrie- und Forschungsnation eindeutig zu wenig. Vor wenigen Jahren noch waren es 1500 Studenten, die ihre Hochschulausbildung mit Doktorgrad abschlossen. Der negative Trend ist auch schon in der Schule zu registrieren und unter anderem Resultat verstaubter Lehrpläne. Im Unterricht erfahren Schüler heute oft mehr über die Physik des 18. Jahrhunderts als über das heutige Naturverständnis.

Die Lehrer selbst müssten besser an die moderne Physik herangeführt werden, sagte Müller-Krumbhaar. Auch Experimente der Quantentheorie könnten durchaus Unterrichtsgegenstand sein. Zum Beispiel Versuche mit einem speziellen Spiegel, der einen Lichtstrahl in zwei Hälften teilt: Hat er dabei die Lichtteilchen, die Photonen, selbst gespalten, so dass jedes beide Wege geht? Oder wählt jedes von ihnen einen Weg, die Hälfte läuft hierhin, die Hälfte dorthin? "Das Merkwürdige der Quantenphysik ist: Das Photon wählt beide Möglichkeiten." Warum sollten darüber nur Nobelpreisräger diskutieren und nicht auch Schüler?

0 Kommentare

Neuester Kommentar