Gesundheit : 124 Herzen für Kinder

Erfolgreiche Transplantationen am Deutschen Herzzentrum Berlin

Adelheid Müller-Lissner

Am Deutschen Herzzentrum Berlin haben inzwischen 124 Säuglinge, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche das Herz eines anderen Menschen – oft eines Erwachsenen – eingepflanzt bekommen. Der ärztliche Direktor Roland Hetzer verwies gestern in einer Pressekonferenz auf die Langzeitergebnisse des größten deutschen Zentrums für Herzverpflanzungen bei Kindern: 88 Prozent der Kinder, die sonst an ihren nicht korrigierbaren Herzfehlern oder Herzmuskelerkrankungen gestorben wären, überlebten das erste Jahr nach der Operation, 72 Prozent der jungen Patienten leben schon mindestens zehn Jahre mit dem neuen Organ.

Dass die Ergebnisse deutlich über dem internationalen Schnitt liegen, führt Hetzer vor allem auf das „Intramyokardiale Elektrogramm“ (IMEG) zurück. Das implantierte System macht es möglich, die Patienten lückenlos zu überwachen. „Unbemerkte Abstoßungsreaktionen können eigentlich nicht vorkommen.“

Auf Dauer drohen trotzdem Veränderungen der Herzkranzgefäße. Die Patienten müssen zudem ihr Leben lang Medikamente nehmen, die das Immunsystem dämpfen. Die wiederum greifen die Nieren an und erhöhen das Krebsrisiko.

Inzwischen gibt eine Studie des Herzzentrums Auskunft darüber, wie Jugendliche sich fühlen, wenn sie seit Jahren mit einem fremden Herzen leben: Alle 20 Befragten freuen sich über die neue Kraft. Die jungen Männer empfinden sich dennoch im Wettstreit mit Gleichaltrigen als schmerzlich unterlegen, die jungen Frauen klagen über das durch die Medikamente veränderte Aussehen. Der Psychosomatiker Wolfgang Albert berichtete zudem über besondere Probleme der Familien in der Ablösungsphase.

Allgemein resümiert er: „Die Jugendlichen sind nachdenklicher als Gleichaltrige, aber auch als erwachsene Transplantierte.“ Beunruhigend ist für die behandelnden Ärzte, dass Transplantierte nur schwer einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden. „Wir haben uns vorgenommen, dieses Thema in Zukunft ganz offensiv anzugehen", versprach Hetzer.

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