Gesundheit : 18 000 Mark Studiengebühren im Jahr

ANNETTE VORPAHL

Die International University in Baden-Württemberg soll vor allem ausländische Studenten anziehenVON ANNETTE VORPAHL18 000 Mark Studiengebühren pro Jahr - ein (Alp-)Traum? Keineswegs.Intensive Kleingruppenarbeit, Hitlisten der erfolgreichsten Vorlesungen auf Knopfdruck übers Internet aus Paris oder New York, mindestens acht Monate Praktika in deutschen Firmen und ein international anerkannter Abschluß nach nur vier Jahren inklusive Job-Garantie - sieht so das Studium der Zukunft aus? Zumindest wenn es nach einem Stuttgarter Professorengespann geht.Die Anglistin Heide Zieler, ehemalige Rektorin der Uni Stuttgart, und ihr früherer Prorektor, der Informatiker Andreas Reuter, rühren derzeit für ein bisher einmaliges Projekt in Baden-Württemberg eifrig die Werbetrommel.Es hat auch schon einen Namen: International University. Deutsch ist out.Englisch dagegen steht hoch im Kurs.Schließlich soll die bereits für das Wintersemester 1998/99 im Großraum Stuttgart geplante, nicht nur privat finanzierte Universität, zur Hälfte Studierende ferner Länder anlocken.Jene nämlich, die den deutschen Hochschulen immer häufiger fernbleiben: Studierende aus den wirtschaftlich boomenden asiatisch-pazifischen Regionen."Deutschland hat als Ausbildungsstandort für ausländische Eliten an Attraktivität verloren", klagte schon vergangenes Jahr Wissenschaftsminister Jürgen Rüttgers.Der Trend hält an.Die Hochschüler gehen lieber in die USA oder nach Australien.Damit enfällt schon mal eine wichtige Hürde: das mühsame Lernen der deutschen Sprache.Weitere Gründe sind die im internationalen Vergleich zu langen und in der Dauer nicht berechenbaren Studien- und Prüfungszeiten, mangelnde fachliche und soziale Betreuung, nicht kompatible Abschlüsse.Das Gerede von der angeblich verrotteten Hochschule ist bis in weit entfernte Länder durchgesickert, die abschreckende Wirkung ausländerfeindlicher Übergriffe tut ein übriges. "Türöffner für die Wirtschaft" nennt Rüttgers die ausländischen Gäste mit deutschem Studienabschluß.Maßnahmen zur Verbesserung des Studienstandortes seien eine Zukunftsinvestition für die künftige wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Teilen der Welt.Dieses Ansinnen unterstützt auch die deutsche Wirtschaft, die Exporteinbußen fürchtet.Nicht umsonst sitzen bereits Sponsoren wie Bosch, Trumpf, IBM, HP, Siemens München und die Landesgirokasse Stuttgart im Gründungskuratorium der International University.Die Wirtschaft soll 39 Prozent der jährlichen Kosten von rund zehn Millionen Mark für die Hochschule aufbringen.40 Prozent berappen die Studierenden aus ihrem Geldbeutel.30 Prozent will das Land Baden-Württemberg aufbringen, vorausgesetzt "ein tragfähiges Konzept steht", so das Wissenschaftsministerium.Einen Flop wie Lothar Späth Ende der 80er Jahre mit seinem Plan einer Privatuni Mannheim will Erwin Teufel nicht produzieren.Damals sprang in letzter Minute die Wirtschaft ab. Von den Möglichkeiten der privaten Einrichtung können die etablierten Hochschulen nur träumen.In der momentanen rechtlichen Verfassung und Haushaltslage der Universitäten wäre es illusorisch, aus den vorhandenen knappen Mitteln zusätzliche Ressourcen locker zu machen.Mit zweisprachigen Aufbaustudiengängen in dem einen oder anderen Fachbereich bemühen sich die Universitäten, den Anschluß an die große weite Welt nicht ganz zu verpassen.MBA-Programme sind aber rar im deutschen Hohschulangebot."Das Berufsbild des Managers ist eins, das in seiner Natur mittlerweile international ist.Es gibt zu wenig Ausbildungsmöglichkeiten mit dieser internationalen Komponente", bilanziert der Informatiker Reuter.Schon jetzt haben 14 amerikanische Universitäten Kooperationsbereitschaft signalisiert. Mit dem Master für Business Administration, MBA, oder Master of Information and Communication Technology sollen die künftigen Absolventen an der International University in den Job starten.Die Chancen dafür stehen gut, wünscht sich die Wirtschaft doch schon seit längerem deutsche Hochschul-Absolventen, die sie ohne Training in eine Firmenfiliale nach Südostasien, Latein- oder Nordamerika schicken kann.Das in Trimester gegliederte Programm enthält neben 22 Wochenstunden ein achtmonatiges Praktikum in einer nahegelegenen Firma, aber auch Deutschkurse für die ausländischen Gäste, Theater- und Konzertbesuche.Die deutschen Studierenden absolvieren ihr Praktikum im Ausland.Der Bachelor ist nach sieben Trimestern oder 1848 Arbeitsstunden, der Master nach zwölf Trimestern oder 3168 Stunden Lernstoff erreicht.Zum Vergleich: Ein Studium, das sich an den baden-würtembergischen 160-Semesterwochenstunden-Erlaß hält, umfaßt bei einem Semester von 14 Wochen 2520 Arbeitsstunden inklusive Diplomarbeit.400 Hochbegabte kommen in den Genuß dieser Ausbildung, die es in sich hat.Strenge Eingangstests und Prüfungen erfordern ein hohes Maß an Motivation, gibt Andreas Reuter zu.Als Elite-Universität will er die neue Einrichtung dennoch nicht verstanden wissen: "Elite hat den Gebrauch von elitär.Das ist im Deutschen kein positives Wort".

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