• 304 Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen sollen ausländischen Studierenden die Anrechnung ihrer Studienleistungen erleichtern

Gesundheit : 304 Bachelor- und Masterstudiengänge an den Hochschulen sollen ausländischen Studierenden die Anrechnung ihrer Studienleistungen erleichtern

Uwe Schlicht

Im Sommersemester 2000 gibt es nach einer Übersicht der Hochschulrektorenkonferenz 202 Studiengänge mit dem Bachelor-Abschluss und 102 Studiengänge mit dem Masterabschluss an den deutschen Hochschulen. Damit sind immer mehr Hochschulen bereit, die neuen internationalen Abschlüsse auch hierzulande einzuführen. Dennoch ist das alles nur eine Etappe auf dem Weg zu einer noch nicht abzusehenden Entwicklung. Denn insgesamt gibt es 8500 Studiengänge an den Hochschulen.

In der nächsten Woche wird der Wissenschaftsrat seine Empfehlung zur Einführung von Bachelor und Masterstudiengängen veröffentlichen. Noch ist nicht abzusehen, ob die Aussage aus einem internen Papier des Wissenschaftsrats auch in der offiziellen Empfehlung enthalten sein wird, wonach auf längere Sicht die neuen Studiengänge mit den Bachelor- und Masterabschlüssen sich mit den traditionellen deutschen Magister- und Diplomstudiengängen nicht vertragen werden. Denn dem Wissenschaftsrat schwebt eine radikale Verkürzung aller Ausbildungs- und Qualifizierungszeiten nach dem Rhythmus drei Jahre bis zum Bachelor, zwei Jahre bis zum Master, drei Jahre Promitionszeit vor. Danach beginnt die Qualifizierungsphase zum Nachwuchswissenschaftler, und die Erstberufung zum Professor soll mit 35 statt heute 40 Jahren erfolgen. Wenn dieser Rhythmus umgesetzt werden soll, geht das nicht mit den sechs- bis siebenjährigen Studienzeiten bis zum deutschen Diplom- und Magisterabschluss.

Vor diesem Hintergrund hat die Vertretung aller deutschen Fakultätentage bereits von der Gefahr gesprochen, dass es durch die Bachelor- und Masterstudiengänge zu einer Kannibalisierung der traditionellen deutschen Magister- und Diplomstudiengänge kommen könne. Diese Stellungnahme der Fakultäten macht es der Hochschulrektorenkonferenz als der Gesamtvertretung aller deutscher Hochschulen nicht einfach, auf Reformkurs zu bleiben. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz wollte gestern vor der Presse in Berlin nicht auf die Frage antworten, ob nach dieser Stellungnahme der Fakultätentage künftig an den deutschen Hochschulen mit einer stärkeren Zurückhaltung bei der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen zu rechnen ist. Er erklärte lediglich: "Der Geleitzug hat schnellere und langsamere Schiffe." Man solle darauf vertrauen, dass die deutschen Hochschulen in dieser Frage mutig voranschritten und nicht von oben herab sagen, dass mit den Studiengängen sofort alles geändert werden solle. Auf jeden Fall müssten die Hochschulen die Entscheidungen selbst treffen, in welchem Umfang sie Bachelor- und Masterstudiengänge einrichten. Dort, wo der Bachelor nicht nur auf die Umetikettierung eines traditionellen deutschen Grundstudiums hinausläuft, dort hätten dreijährige Studiengänge gute Chancen.

Zu der Erklärung der Fakultätentage über die Gefahr des Kannibalismus erklärte Landfried, "das Ausmaß an Uninformiertheit unter einigen Wissenschaftlern über die neue Studienstruktur ist noch relativ groß." Der Generalsekretär der Hochschulrektorenkonferenz, Joseph Lange, ergänzte: "Der Ausdruck Kannibalismus ist unangemessen".

Wenn die technischen Universitäten in Deutschland zum Beispiel begabte indische Ingenieurstudenten mit dem Bachelorabschluss gewinnen wollten, dann müssten sie anpassungsfähige Masterstudiengänge anbieten. Blieben die deutschen TUs für diesen Personenkreis allein beim Diplomangebot, dann würden die Inder zum Masterstudium in die USA wechseln, erklärte der HRK-Generalsekretär. Lediglich in deutschsprachigen Ländern hätten die traditionellen Diplomstudiengänge noch ihr ursprüngliches Ansehen. Welche Schwierigkeiten es für Hochschulabsolventen bei der Anerkennung ihres deutschen Diploms im Ausland gebe, zeige sich in ständigen Anfragen aus dem Ausland bei der Hochschulrektorenkonferenz, berichtete Lange.

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