Gesundheit : 3D-Sonografie: Das durchschaute Elefantenbaby

Matthias Manych

Spektakuläre vorgeburtliche Darstellungen menschlicher Gesichtszüge haben die dreidimensionale Ultraschalltechnik vor wenigen Jahren bekannt gemacht. Seit kurzem wird die 3D-Sonografie erstmals auch in der veterinärmedizinischen Fortpflanzungskontrolle eingesetzt. Nun ist es möglich, die exakte Lage und Ausdehnung von Organanlagen, Blutgefäßen und Nervengewebe zu bestimmen, ohne Tiere töten oder radioaktiver Strahlung aussetzen zu müssen. Vorteile, die sich besonders bei bedrohten Arten und trächtigen Tieren auswirken.

Pioniere auf diesem Gebiet sind Frank Göritz und Thomas Hildebrandt vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Berlin. Die beiden Wissenschaftler haben ein 3D-Ultraschallsystem so weiterentwickelt, dass sie es sowohl bei kleinen als auch bei großen Säugetieren anwenden können. Mit der tierschonenden Methode können sie nun die Bedingungen untersuchen, unter denen sich befruchtete Eizellen einnisten und fortlaufend die Entwicklung des Fötus beobachten.

Gute Ultraschallbilder sind nur bis zu einer Tiefe von etwa 12 bis 15 Zentimetern möglich. Deshalb muss der Schallkopf bei Dickhäutern wie Elefanten und Nashörnern in den Enddarm eingeführt und genau über der Gebärmutter in Position gebracht werden. Dafür trägt der untersuchende Tierarzt eine Konstruktion aus Fahrradhelm, Taucherbrille und einem speziellen LCD-Monitor. Bis der Fötus gut im Bild ist, reicht das zweidimensionale Sonogramm. Dann wird die Gewebe- oder Organregion bestimmt, die vier Sekunden lang im 3D-Modus beschallt wird. Es entsteht ein Fächer von 60-70 Schnittbildern, die ein Rechner zu einem räumlichen Gebilde zusammensetzt. Am Computerbildschirm kann das Bild dann aus verschiedenen Winkeln betrachtet werden. Und mit der zusätzlichen dritten, der horizontalen Ebene kann das ungeborene Tier Schicht für Schicht durchschaut werden. Die Aufnahmen seien fast so genau wie anatomische Präparate, schwärmt Thomas Hildebrandt.

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