Gesundheit : 5 Uhr 30 aufstehen – 23 Uhr Buch zuschlagen

Ein Tag im Leben einer Bachelor-Studentin

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In der vergangenen Woche haben Studierende der Freien Universität „gestreikt“. Der Katalog der Unzufriedenheit ist lang, er reicht vom Erhalt der herkömmlichen Studienabschlüsse Diplom, Magister und Staatsexamen über die Abschaffung der Verwaltungssoftware bis zur Ablehnung von Studiengebühren. Jedoch steht gerade für viele Studierende der Naturwissenschaften die als zu hoch empfundene Arbeitsbelastung im Vordergrund. Deshalb dokumentieren wir eine Mail der 22-jährigen Susanne Rehberg, Bachelor-Studentin im 1. Semester an der FU mit den Fächern Deutsch und Biologie auf Lehramt („Kombi-BA“), in der sie ihren Tagesablauf schildert. Tsp

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Beep beep beep. 5 Uhr 30. Ich habe mir schon längst abgewöhnt, mich morgens noch ins Bett zu kuscheln, und stehe sofort auf. Die erste Entscheidung meines Tages steht an; Haare waschen oder Frühstücken? Ich entscheide mich fürs erstere und gerate mal wieder in Hektik.

6 Uhr 30. Ich verlasse im Laufschritt das Haus in Richtung S-Bahn. Die zweite Entscheidung meines Tages steht an: Lese ich ein Drama für Deutsche Philologie, das aktuelle Kapitel zur Zoologie oder suche ich nach etwas Sinnvollem im Botanikbuch? Ich entscheide mich für Schiller.

7 Uhr 30. Ja! Ich bin eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn im Hörsaal und gehe schon mal das Skript durch auf der Suche nach den Schlagwörtern, die bereits an der Tafel stehen.

13 Uhr 30. Nach Botanik, Erziehungswissenschaften und Chemie meine erste Pause. Das heißt, der Dozent hat eben zufällig früher Schluss gemacht. Esse ich jetzt was Vernünftiges in der Mensa, oder hole ich mir nur ein Brötchen, um lieber nebenbei noch einige Stichpunkte zur Bibliotheksgeschichte durchzugehen? Ich entscheide mich für Letzteres. Zuerst lese ich aber noch mal im Chemiebuch nach – wo war jetzt das Kapitel, das mir die morgen abzugebenden Protokolle erklärt? Dann fällt mir wieder die Bibliotheksgeschichte ein – zu spät. Ich werde den Artikel eben heute Abend nachlesen müssen.

20 Uhr 15. Meine letzte Veranstaltung ist zu Ende. Schiller ist erledigt, zur nächsten Woche bitte Brecht.

21 Uhr 30. Ich steige aus der S-Bahn. Seit Stunden ist es dunkel.

Zu Hause. Meine Mitbewohner wollen mit mir zusammen essen. „Ich habe keine Zeit“, sage ich. „Hey, erinnerst Du Dich?“ fragen die anderen. „Du bist wegen der Gemeinsamkeit in eine WG gezogen.“ Ich gehe an meinen Schreibtisch.

23 Uhr. Mareike kommt rein. „So geht das nicht. Seit Wochen lernst du nur noch. Wir können keine richtigen Partys mehr feiern, und außerdem räumen wir dir alles hinterher.“ – „Gleich. Ich brauch das morgen.“

23 Uhr 30. Wieder setze ich mich an den Computer. Diesmal schreibe ich eine Anzeige. „Kombi-BA sucht Einzimmerwohnung.“ Ein Bachelorstudent braucht keine sozialen Kontakte.

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