Gesundheit : Abgang mit großem Spektakel

CHRISTINA DENZ

Mit dem "Barbier von Sevilla" geben die Dirigier-Studenten an der HdK ihren Protest aufVON CHRISTINA DENZDaß Liebe und Cleverness Intrigen überwinden, ist ja eher Sache der Literatur.Oder der Oper.Im fröhlichen Finale von Rossinis "Barbier von Sevilla" triumphieren Figaro, Rosina und Graf Almaviva.Die Inszenierung, für die HdK-Studenten am Dienstag öffentlich probten, ist ungewöhlich: die Studenten haben sie allein, ohne Unterstützung der Hochschule, auf die Bühne gebracht.Mit ihr wollen die Dirigierstudenten an der Hochschule der Künste (HdK) darauf aufmerksam machen, daß ihnen das fehlt, was sie erst zu Dirigenten machen kann: eine Professur für das Fach Dirigieren.Und die Praxis mit einem Orchester.Doch der Barbier wird die letzte Oper sein, die die Studenten selbst auf die Beine stellen, nach der "Zauberflöte" und dem "Freischütz" im Februar und Juli 1997. Nach diesen drei Selbsthilfe-Opern schmeißen die Studenten nun frustriert den Taktstock: "Uns sind von der Hochschule zu viele Steine in den Weg gelegt worden." Die Anklage erhebt Kerstin Behnke.Vor sechs Semestern bestand sie die Aufnahmeprüfung für das Fach "Dirigieren".Ein Semester später schied ihr Professor aus Altersgründen aus.Seitdem ist die Stelle unbesetzt. Der Dekan des Fachbereichs Musik an der HdK, Ulrich Mahlert, entschuldigt die unbesetzte Stelle mit dem langen Berufungsverfahren auf hochdotierte Professorenstellen."Wir sind zur Zeit mittendrin im Auswahlverfahren.Wenn man gute Leute will, dann dauert das eben sehr lange." Für den Dirigierunterricht stünden ein Gast- und ein Honorarprofessor zur Verfügung.Eine Zusammenarbeit mit dem Preußischen Kammerorchester Prenzlau ermögliche es jedem Studierenden, drei Stunden pro Semester mit einem Orchester zu arbeiten."Das kostet uns allein 55 000 Mark im Jahr", so Mahlert. Dennoch fühlen sich die Studenten von Dozenten und Verwaltung der HdK behindert."Uns wurden Proberäume gestrichen, die Aufführungstermine passen den Professoren nie", so Norbert Ochmann.Eine der zwei Aufführungen muß jetzt mit einem Faschingskonzert der Streichinstrumenten-Klasse konkurrieren."Dadurch fallen viele Musiker aus", sagt Behnke."Absicht", vermuten die Studenten.Nach ihrer Einschätzung blockieren die Professoren das Projekt: Sie wollten verhindern, daß der Anschein erweckt werde, die Studenten müßten sich selbst helfen, weil die Hochschulbedingungen schlecht seien. Am meisten aber ärgern sie sich über den Vorwurf, die Qualität sei schlecht."Uns wurde gesagt, daß unsere Aufführungen ein schlechtes Licht auf die Qualität der Ausbildung werfen", ärgert sich Behnke."Dabei haben die wenigsten Professoren sie überhaupt besucht." Im "Barbier" werden die Rollen geteilt: Norbert Ochmann dirigiert Ouvertüre und den zweiten Akt, Kerstin Behnke den ersten.Lars Feistkorn, Burkhardt Schulz und Tobias Müller-Kopp teilen sich den Figaro, Lisa Löfvist und Angelika Kirchhof singen abwechselnd die Rosina. Die Aufführungen finden am 5.und 10.Februar jeweils um 19 Uhr im Konzertsaal der HdK, Hardenberg- Ecke Fasanenstraße 33, statt.Eintritt frei.

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