Gesundheit : Abriss und Neubau

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Graham Jefcoate hätte heute gerne den Startschuss für die bauliche Zukunft der Staatsbibliothek gegeben. Aber der Abriss der Büchermagazine im Innenhof des Altbaus Unter den Linden beginnt nun ohne den Generaldirektor. Die maroden Büchertürme, die die DDR 1984 bis 1987 baute, sollen Platz machen für den Neubau eines zentralen Lesesaals.

Der historische KuppelLesesaal der Staatsbibliothek war im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und 1975 endgültig abgerissen worden. An seiner Stelle entstehen bis 2011 – zum 350. Jubiläum der Bibliothek – ein neuer Lesesaal mit 250 Plätzen sowie Freihand- und Tresormagazine. Architekt des geplanten gläsernen Kubus im Innenhof zwischen Universitätsstraße und Unter den Linden (Mitte) ist der Stuttgarter H.G. Merz. Merz war der einzige Bewerber, der nicht die historische Kuppelform rekonstruierte, sondern eine moderne, transparente Lesehalle plante. Damit wolle er der Staatsbibliothek „etwas von ihrer Muffigkeit nehmen“, sagte Merz in einem Interview. Gemeint hat er die 1903 bis 1914 vom Hofarchitekten Ernst von Ihne erbaute Bibliothek in der alten Mitte Berlins, nicht den Scharoun-Bau an der Potsdamer Straße. Der Abriss der alten Büchermagazine und der Neubau des Lesesaals sollen insgesamt knapp 350 Millionen Euro kosten.

Heute beginnt der ebenso aufwändige wie lärm- und staubintensive Abriss der Büchertürme. Die vor Ort gegossene Stahlbetonkonstruktion wird im Diamantschneideverfahren von oben beginnend Meter für Meter abgetragen. Die herausgeschnittenen Betonquader werden mit Hilfe eines Krans auf Lkws geladen. Der Abriss erfolgt bei laufendem Betrieb der Bibliothek, sagt der Baureferent der Stabi, Hartmut List. Damit Mitarbeiter und Benutzer trotzdem arbeiten können, wurde in den vergangenen Monaten ein Lärmschutz aufgebaut: Die Fassaden zum Hof sind eingerüstet; vor die Gerüste wurde eine transparente Kunststoffschicht gehängt. -ry

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