Gesundheit : Ärger über den Bachelor

FU-Studierende beschließen „Warnstreik“

Sören Kittel

An der Freien Universität Berlin wird wieder „gestreikt“: Vom 5. bis zum 19. Dezember wollen die Studierenden gegen „unzumutbare Studienbedingungen“ protestieren, indem sie Lehrveranstaltungen boykottieren. Das beschlossen gestern Abend rund 1000 Studenten bei einer Versammlung im Hörsaal 1a in der Silberlaube der FU, mit Videoübertragung in Hörsaal 2.

Anlass der Versammlung war die Kritik an dem neuen Computer-Programm „Campus-Management“ für das Bachelor-Studium. „Das Programm führt zu einem Überwachungsstudium“, sagte Stefan Günther vom Arbeitskreis Hochschulpolitik des Asta. Unter anderem würden die Anwesenheitslisten bei Seminaren online geführt. Das schränke die Flexibilität im Studium ein. Nach dem Ende der Versammlung brachen die Teilnehmer zu einer „Spontandemo“ vor dem Präsidialamt auf, zu der der Asta aufgerufen hatte. Als sie dort niemanden antrafen, gingen sie zurück in die Silberlaube und skandierten „Warnstreik, Warnstreik!“. Am heutigen Mittwoch wollen die Studenten an der Sitzung des Akademischen Senats der FU teilnehmen und ihre Forderungen vorbringen.

Bei der Versammlung wurde verlangt, dass das Campus-Management-Programm abgeschaltet wird, zumal es immer wieder zu technischen Pannen komme. Viele seien deshalb in falschen Kursen eingeschrieben. In der Protestwoche wollen die Studierenden zudem gegen Studiengebühren und für mehr Mitbestimmung in den universitären Gremien auf die Straße gehen. Bei der Versammlung wurde per Handzeichen über „Streik“ abgestimmt. Eine deutliche Mehrheit sprach sich dafür aus, die Uni eine Woche lang zu boykottieren und an Protestaktionen teilzunehmen. Über die Formen des Protests wollen sich die Studierenden noch im Laufe dieser Woche beraten, hieß es auf der Versammlung.

Auch Professoren waren im Publikum: Asta-Aktivisten fragten Vizepräsident Werner Väth, an welchem Ort sich der Akademische Senat am Mittwoch treffen werde. „Im Henry-Ford-Bau“, verriet Väth widerstrebend.

Der Asta zeigte einen Videofilm, auf dem zu sehen war, wie der einstige Hochschulrektoren-Präsident Peter Gaehtgens unlängst an der Uni Tübingen eine Torte ins Gesicht bekam. Die Studierenden johlten. Ein Vorschlag aus ihren Reihen, auch für die Sitzung des Akademischen Senats eine Torte zu backen, wurde beklatscht. „Der Streik richtet sich gegen das Uni-Präsidium“, betonte Stefan Günther. Die FU-Leitung habe das Campus-Management handstreichartig eingeführt, ohne sich vorher abzustimmen.

Ob der Streik auch auf die anderen Hochschulen überspringt, blieb am Dienstag abend offen. Rebecca Brückmann, Studentenvertreterin der Humboldt-Uni, zeigte sich überrascht: „An der HU herrscht zur Zeit keine Proteststimmung.“ Die Studierendenvertreter der TU waren nicht zu erreichen.

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