Ärztenetze : Abstimmung in der Region

Ärztenetze verbessern die Versorgungsqualität – und schließen drohende Versorgungslücken auf dem Land.

Veit Wambach
Versorgung gesichert. In ländlichen Regionen helfen Ärztenetze, die Versorgung zu stemmen.
Versorgung gesichert. In ländlichen Regionen helfen Ärztenetze, die Versorgung zu stemmen.Foto: picture alliance / Klaus Rose

Ein Drittel aller niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland arbeiten aktuell in einem Ärztenetz. Seit der Gründung erster Netzverbünde vor gut 20 Jahren haben sich mittlerweile mehr als 400 solcher Zusammenschlüsse bundesweit etabliert. Ärztenetze oder auch Praxisnetze sind ein Verbund von Haus- und Fachärzten, die mit weiteren Anbietern aus dem Gesundheitswesen zum Beispiel Kliniken, Apotheken, Pflegeheimen oder Selbsthilfegruppen sehr eng zusammenarbeiten. Im Durchschnitt besteht ein Netz aus rund 50 bis 100 Haus- und Fachärzten.

Ziel ist es durch eine verbesserte Kooperation und Kommunikation zwischen Ärzten und weiteren Leistungserbringern die Versorgungsqualität, die Effizienz der Versorgung sowie die Patientenzufriedenheit in der Region des Netzverbundes nachhaltig zu erhöhen. Dies gelingt vor allem durch eine enge persönliche, vertrauensvolle Zusammenarbeit der Netzmitglieder sowie durch eine zunehmende elektronische Vernetzung der beteiligten Leistungserbringer. Zentraler Bestandteil vieler Praxisnetze ist die strukturierte Qualitätszirkelarbeit. Hierbei tauschen sich die Netzärzte in Kleingruppen regelmäßig über Optimierungsmöglichkeiten der Patientenversorgung aus. Abgestimmte Behandlungsleitlinien werden entwickelt, Präventionsprogramme ins Leben gerufen oder Behandlungsverfahren untereinander abgestimmt.

Die enge und verbindliche Zusammenarbeit ermöglicht einen schnelleren und umfassenderen Austausch wichtiger Gesundheits- und Behandlungsdaten. Damit können unnötige und belastende Mehrfachuntersuchungen oder gar Krankenhauseinweisungen vermieden sowie die Zahl unnötiger Medikamentenwechselwirkungen reduziert werden. Aber auch zusätzliche Behandlungs- und Serviceangebote wie erweiterte Gesundheitsuntersuchungen oder die Garantie schneller Facharzttermine und kurzer Wartezeiten, sind Vorteile, die Patienten oftmals in Ärztenetzen erfahren.

Praxisnetze müssen verbindliche Qualitätsanforderungen erfüllen

Ärztenetze übernehmen zukünftig eine wichtige Vorreiterrolle bei der auf die Regionen ausgerichteten Gesundheitsversorgung. Je nach Erfordernis und Region haben sich unterschiedliche Schwerpunkte herauskristallisiert. Städtische Ärztenetze arbeiten oft daran, Praxis- und Behandlungsprozesse der beteiligten Akteure optimal aufeinander abzustimmen, um den Nachweis für eine gleichzeitig effiziente wie qualitativ überdurchschnittliche Versorgungsqualität zu erbringen. Ärztenetze in ländlichen, strukturschwachen Regionen geht es vor allem darum, die ärztliche Versorgung im Landkreis überhaupt zu sichern. Innovative Organisationformen, beispielsweise die Einbindung von Versorgungsassistentinnen helfen dem bestehenden Ärztemangel entgegenzuwirken. Vielen Netzen gemein ist der präventive Gesundheitsansatz.

Damit helfen Ärztenetze nicht nur hohe Behandlungskosten von zu spät erkannten Krankheiten zu vermeiden. Sie tragen auch einen wesentlichen Anteil an der verbesserten Lebensqualität in der Region.

Die Innovationskraft sowie die Vorteile der Netzarbeit für die Patientenversorgung erkennen auch die politischen Entscheidungsträger zunehmend an. Ärztenetze werden heute als wichtiger Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens gesehen. Dies schlägt sich auch in der aktuellen Gesetzgebung wieder. So wurde die Möglichkeit einer sogenannten Netzanerkennung und Netzförderung geschaffen. Dieses Verfahren gibt erstmalig verbindliche Versorgungsziele und Qualitätsanforderungen vor, die professionelle Praxisnetze für eine Anerkennung in Deutschland erfüllen müssen. Um diesen „Praxisnetz-TÜV“ zu bestehen, müssen bestimmte Strukturanforderungen wie etwa Netzgröße, Rechtsform erfüllt sein. Vorgegebene Netzstandards zur Patientensicherheit, zu Fortbildungsmaßnahmen, zum Qualitätsmanagement und zum Datenschutz sind ebenfalls Bestandteil dieser unabhängigen Prüfung. Dies erhöht nicht nur die Transparenz und ermöglicht eine bessere Vergleichbarkeit der Versorgungsstrukturen untereinander, sondern gibt den Netzpatienten Sicherheit und Vertrauen in ihr Ärztenetz und die beteiligten Leistungserbringer.

Der Autor ist Vorstandsvorsitzender Gesundheitsnetz Qualität und Effizienz eG

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