Gesundheit : Aids: Genmutation hilft Europäern gegen HIV-Infektion

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Das Fehlen einer genetischen Mutation, die vor einer HIV-Infektion schützt, könnte ein Faktor sein, der in hohem Maße zur Aids-Epidemie in Afrika beiträgt. "Die kritische Mutation betrifft ein Gen, das die Bau-anleitung ist für ein Rezeptormolekül namens CCR5", sagt Denise Kirschner, Mikrobiologin an der Universität von Michigan in Ann Arbor. Gene liegen immer in zweifacher Ausfertigung vor. "Menschen mit zwei Kopien einer Mutation sind nahezu vollständig vor HIV geschützt", sagt Kirschner. "Diejenigen mit einer Mutation und einer normalen Kopie können sich zwar infizieren. Sie haben aber weniger Viren im Blut, und die Krankheit Aids bricht im Schnitt zwei Jahre später aus. Menschen mit zwei normalen Kopien sind am meisten gefährdet."

Andere Studien haben gezeigt, dass die CCR5-Mutation bei Europäern viel häufiger vorkommt als bei Menschen afrikanischer oder asiatischer Abstammung. Die Wissenschaftler aus dem US-Staat Michigan haben nun ein Computermodell entwickelt, mit dem man die Epidemie simulieren kann unter Berücksichtigung dieser genetischen Unterschiede. Die Ergebnisse des Modells sind im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Das Modell sagt voraus, dass sich in Populationen ohne das schützende Gen das Aids-Virus rasch verbreitet, stark zunehmend innerhalb von 35 Jahren - bis rund 18 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Danach nimmt die Zahl der Infizierten wieder ab. In Populationen mit dem schützenden Gen wächst der Anteil der Infizierten bedeutend langsamer.

Warum ist die Mutation bei Europäern häufiger vorhanden? Kirschner vermutet, es liege daran, dass Europa im Mittelalter von großen Seuchen heimgesucht wurde, die dazu geführt haben, dass sich bei den Europäern Genmutationen durchsetzen konnten, die einen Schutz gegen diese Seuchen bieten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass auch Pest und Pocken den CCR5-Rezeptor benutzen, um Zellen zu infizieren.

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