Gesundheit : Aids-Impfstoffe auch in Deutschland

Tests bald in Bonn und Hamburg

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Die weltweit erste Prüfung eines Impfstoffes gegen Aids an 5000 Freiwilligen in Thailand hatte, wie sich vor kurzem zeigte, ein enttäuschendes Ergebnis: Der Impfstoff, der ein Eiweiß aus der Hülle des Aidsvirus HIV enthielt, bot keinen ausreichenden Schutz.

Nun will die Internationale AidsImpfstoff-Initiative auch in Deutschland, in Hamburg und in Bonn, erste Versuche mit einem neuen Impfstoff-Kandidaten starten. Er ist bisher noch nie am Menschen getestet worden. „Wir möchten auch in Europa arbeiten, weil es hier ein solides Zulassungsverfahren gibt“, sagte Frans van den Boom, Europäischer Direktor der in New York ansässigen gemeinnützigen Organisation, gestern vor einer zweitägigen Konferenz über HIV-Impfungen im Robert-Koch-Institut.

Erklärtes Ziel seiner Organisation ist es, die Entwicklung von Erfolg versprechenden Impfstoff-Kandidaten gegen die Immunschwächekrankheit durch Partnerschaften zwischen Öffentlicher Hand und Pharmaunternehmen zu beschleunigen. So liefern die Impfstoffwerke Dessau-Tornau einen möglichen Impfstoff, der derzeit in klinischen Studien in Großbritannien, Kenia und Uganda eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um ein abgeschwächtes Pockenvirus, in das HIV-Gene eingeschleust wurden, die eine zellgebundene Immunantwort ermöglichen sollen. Weiter wird von der Schweizer Berna Biotech AG an der Entwicklung einer Schluckimpfung geforscht.

Insgesamt gibt es derzeit zwölf Impfstoff-Kandidaten auf der Basis verschiedener Untertypen des Aidsvirus. Der Virologe und Aids-Experte Bernhard Fleckenstein von der Uni Erlangen dämpfte allerdings Erwartungen auf schnelle Erfolge: Noch seien viele Fragen zur Entstehung der Erkrankung offen. Falls einer der Kandidaten wenigstens teilweisen Schutz verspricht, könnte nach van den Booms Einschätzung am Ende des Jahrzehnts ein Impfstoff auf den Markt kommen.

Die Ex-Gesundheitsministerin Andrea Fischer sagte, Deutschland habe als reiches Land eine moralische Verpflichtung gegenüber Ländern, in denen Vorbeugung und Behandlung der HIV-Infektion weiter ein großes Problem darstelle. Schon jetzt soll Fehlern vorgebeugt werden, die vor dem Einsatz moderner Therapien in Entwicklungsländern gemacht wurden. „Wir müssen bei der Preisgestaltung dafür sorgen, dass die Geschichte sich in Afrika nicht noch einmal wiederholt“, sagte van den Boom. aml

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