Gesundheit : Aids soll nicht mehr Schicksal sein

WHO: Armen Ländern Zugang zu Medikamenten erleichtern

Justin Westhoff

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zusammen mit den Vereinten Nationen und anderen Partnern eine Initiative unter dem Titel „Internationale Koalition für den Zugang zur Aids-Behandlung“ (ITAC) ins Leben gerufen. Bisher besteht für HIV-Infizierte und Aids-Kranke in Entwicklungsländern kaum die Möglichkeit, teure Medikamente (antiretrovirale Substanzen) zu erhalten, die die Vermehrung des Humanen Immunschwächevirus (HIV) im Organismus hemmen. In einer Erklärung der WHO klagte deren Generaldirektorin, Gro Harlem Brundtland, dass Menschen massenweise sterben, weil ihnen nicht einmal zwei US-Dollar täglich zur Behandlung zur Verfügung stehen.

Von den 42 Millionen Menschen mit HIV und Aids leben rund 95 Prozent in Entwicklungsländern. Weltweit erhalten nur etwa 800000 Infizierte eine antiretrovirale Therapie –500000 davon in reichen Ländern. Die Versorgung insbesondere im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas ist katastrophal - gerade mal ein Prozent der HIV-Infizierten und Aids-Kranken erhalten wirksame Arzneimittel; in Asien sind es vier, in Osteuropa neun Prozent. Deutlich besser steht Brasilien da, wo mehr als jeder Zweite versorgt wird.

Noch vor kurzem hatten das Aids-Programm der Vereinten Nationen (Unaids) und die WHO darauf aufmerksam gemacht, dass bis zu 14 Millionen Menschen in zusammen sechs afrikanischen Staaten vom Hungertod bedroht seien – verursacht durch mangelnde Behandlung, Arbeitsunfähigkeit und den Anstieg der Zahl von Kindern, die ihre Eltern durch Aids verloren haben.

Schon bisher gab es Bemühungen, die Aids-Vorbeugung und -Behandlung in armen Ländern zu verbessern – mit nur mäßigen Erfolgen. Immerhin hat aber internationaler Druck dazu geführt, dass in einigen Regionen der Dritten Welt die Preise für Medikamente gesenkt wurden. Aber selbst die jetzigen Kosten für eine Tagesbehandlung seien zu hoch – ein Preis von 50 US-Cent für die Therapie in Entwicklungsländern pro Tag sei den Pharmaunternehmen zuzumuten. Zwar wurden die weltweiten Ausgaben im Kampf gegen Aids in den vergangenen drei Jahren von 300 Millionen US-Dollar auf drei Milliarden jährlich gesteigert. „Aber weiter sterben Millionen Menschen, obwohl es Medikamente gibt. Die Weltgemeinschaft kann dies nicht länger hinnehmen", heißt es in dem WHO-Konzept.

Die Weltgesundheitsorganisation hat zwölf antiretrovirale Substanzen in die Liste der auch für arme Regionen unverzichtbaren Arzneimittel aufgenommen. ITAC will neben den Vereinten Nationen, der WHO und der Weltbank Regierungen, Nichtregierungsorganisationen von Betroffenen, Forschungseinrichtungen und Industrie unter einem Dach vereinen. Dabei geht es nicht nur um Druck auf Pharmaunternehmen, ihre Preise zu senken. Mindestens ebenso wichtig seien Infrastrukturen, die Präventionskampagnen und die Überwachung der komplizierten Einnahme für antiretrovirale Mittel erst möglich machen. Schon bis zum Jahr 2005 soll die Zahl der Menschen in Entwicklungsländern, die eine vernünftige Behandlung erhalten, drei Millionen betragen. Die Ausgaben müssten dazu bis 2005 auf gut zehn und bis 2007 auf 14 Milliarden Dollar wachsen.

Verschiedene Organisationen kritisieren die Pharmaunternehmen seit vielen Jahren. Das Internationale Abkommen zum Schutz des geistigen Eigentums (Trips) bewirkt einen 20-jährigen Patentschutz für Arzneimittel. Zwar kann dieser bei einem „Gesundheitsnotstand“ außer Kraft gesetzt werden, um billige Nachahmerprodukte zu ermöglichen. Meist verhindere die „Lobbyarbeit der Industrieverbände“ aber einen solchen Schritt, klagen Kritiker der Industrie.

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