Gesundheit : Akademien sollen sich mehr um Kultur kümmern

Uwe Schlicht

Die Akademien der Wissenschaften in Deutschland sollen sich mit Ausnahme der Leopoldina bei der Förderung von Langzeitvorhaben auf die Geistes- und Kulturwissenschaften beschränken. Der Ehrgeiz der sieben Länderakademien, sich verstärkt auch aktuellen Vorhaben in den Naturwissenschaften, der Technik und der Medizin zuzuwenden und auf diesen Feldern auch Politik und Gesellschaft zu beraten, erteilte der Wissenschaftsrat eine Absage. Nur in den Geistes- und Kulturwissenschaften sieht er den „entscheidenden Bedarf” und auch die Aufgabe, die die Akademien der Wissenschaften von anderen Förderern deutlich unterscheidet. Mit den anderen Förderern meint der Wissenschaftsrat offensichtlich die Max-Planck-Gesellschaft und die Helmholtz-Gemeinschaft der Großforschungsinstitute, die ihren Schwerpunkt in den Naturwissenschaften und der Medizin haben, während sich die Fraunhofer-Gesellschaft besonders der Technikwissenschaften annimmt.

Schon früher hatten Repräsentanten der Akademien die besondere Rolle ihrer Einrichtungen in den Geistes- und Kulturwissenschaften gesehen. Denn in diesen Bereichen fließen die Drittmittel wesentlich spärlicher als in den Naturwissenschaften, der Technik und der Medizin. Der Wissenschaftsrat fordert diese Beschränkung jetzt geradezu heraus, denn Bund und Länder hatten von einem Gesamtetat von 41,4 Millionen Euro für die deutschen Akademien 1,6 Millionen Euro gesperrt und deren Freigabe von den Empfehlungen des Wissenschaftrats abhängig gemacht.

Der Wissenschaftsrat fordert die Akademien auf, sich bei der Förderung der Geistes- und Kulturwissenschaften noch stärker den Unis zu öffnen. So sollten viel mehr Nichtmitglieder in die Arbeit der Akademien einbezogen werden. Die Langzeitvorhaben der Akademien haben beachtliche Laufzeiten: 107 werden seit mehr als 25 Jahren gefördert, 42 davon seit mehr als 50 Jahren. Die Langzeitprojekte sollten daher alle fünf Jahre evaluiert werden. Bei dieser Begutachtung, die nach dem Vorbild der DFG vorgenommen werden könnte, sollten Experten von außen herangezogen werden. Nur dann, wenn anstelle der Evaluation durch Akademiemitglieder die externe Evaluation trete, könne darüber entschieden werden, ob ein Langzeitvorhaben weitergeführt, in absehbarer Zeit beendet oder sogar abgebrochen werden solle. Auf diese Weise könne man sich Spielraum für neue Vorhaben schaffen.

Der Wissenschaftsrat wörtlich: „Mit zunehmender Förderungsdauer wachsen die Beharrungskräfte. Ihnen muss ein verändertes Verfahren ebenso entgegentreten wie einem Finanzierungsanspruch, der aus dem Komplettieren von einmal begonnenen Vorhaben abgeleitet wird.”

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