Gesundheit : Akademikermangel: Zuwanderung füllt Fachkräftelücke nicht

Bärbel Schubert

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) hat bestätigt, dass Deutschland vor einem Akademikermangel steht. Der absehbare Fachkräftemangel vor allem in akademischen Berufen droht zu einer gefährlichen "Wachstumsbremse" für die deutsche Wirtschaft zu werden, heißt es in einer Prognose der BLK zur "Zukunft von Bildung und Arbeit" bis 2015. Nach den Beratungen am Montag in Bonn stellte Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU), derzeit Vorsitzender des Gremiums, die Ergebnisse vor.

Ohne massive Änderungen in deutschen Schulen und Hochschulen würden bald noch mehr Naturwissenschaftler, Ingenieure, Informatiker und Lehrer in der Bundesrepublik fehlen, heißt es in dem Papier. Zugleich werden die Hoffnungen darauf gedämpft, diese Lücke mit Fachkräften aus Osteuropa überbrücken zu können. "Die bevorstehende Erweiterung der EU - insbesondere durch den Beitritt der mittel- und osteuropäischen Staaten - dürfte kaum zu einer größeren Zuwanderung von Arbeitskräften führen." In diesen Ländern wird zudem eine ähnliche demografische Entwicklung wie in Deutschland erwartet, also abnehmende Bevölkerungszahlen. Die Bildungsminister von Bund und Ländern stellen nach dem Papier in allen Wirtschaftsbranchen einen "Trend zur Höherqualifizierung" fest. Dabei werden ebenfalls die im internationalen Vergleich zu geringen Studentenzahlen und zu hohen Abbrecherquoten in Deutschland kritisiert. Dies hatte die OECD in ihrem jüngsten Bildungsbericht bereits herausgestellt.

Der BLK-Bericht geht davon aus, dass sich der heute schon in einigen Branchen feststellbare akademische Fachkräftemangel weiter ausdehnen wird. Die Nachfrage nach immer höherer Qualifikation zwinge dazu, die Bildungsbeteilung auszuweiten. Dazu müssten vor allem der Bildungserfolg erhöht, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss verringert, Ungelernte nachqualifiziert, die Facharbeiterausbildung modernisiert und die Ausbildung von hoch qualifizierten Akademikern ausgeweitet werden.

Die Hochschulen sollen dazu motiviert werden, durch bessere Studienorganisation, Betreuung und Tutorien eine geringere Abbrecherzahl zu erreichen. Heute sind dies 30 Prozent, in einzelnen Fächern sind die Quoten auch deutlich höher. Aufeinander aufbauende Bachelor- und Master-Studiengänge, modularisierte Studienangebote sowie ein Leistungspunktsystem sollen das Abbruchrisiko mindern. Neben mehr Werbung für das Studium sollen sich die Hochschulen stärker für beruflich Qualifizierte ohne Abitur öffnen. Angestrebt werden mehr Studiengänge mit integrierter Lehre und berufsbegleitende Teilzeitstudien.

In der beruflichen Bildung steigt nach Einschätzung der BLK ebenfalls das Anspruchsniveau, wenngleich das Angebot dort den künftigen Bedarf auch ab 2015 nahezu decken könne. Dennoch werde es auch dort vereinzelt zum Mangel kommen. Beklagt wird, dass jeder vierte Lehrvertrag vorzeitig gelöst wird. Um die Abbrecherzahl zu senken, wird "aufsuchende Jugendsozialarbeit" bei Schulverweigerern und "abgetauchten" Jugendlichen verlangt. Die Ungelernten seien eindeutig die "Verlierer am Arbeitsmarkt" der Zukunft. Das Fazit des BLK-Berichtes lautet: An mehr eigener Qualifikation und mehr Effizienz des deutschen Bildungssystems führt kein Weg vorbei. "Reserven" müssten durch die Nachqualifizierung Ungelernter, Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen - besonders in den Naturwissenschaften, mehr Weiterbildung und "Ausschöpfung der regulären Lebensarbeitszeit" erworben werden - statt des heutigen Trends zur Frühpensionierung.

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