Gesundheit : "Alle Sterne sind von Planeten umgeben"

Herr Mayor[zusamme],wie war Ihnen zumute[zusamme],als Sie[zusamme]

Michel Mayor ist Professor für Astronomie am Genfer Observatorium in der Schweiz. Mit Didier Queloz entdeckte er vor sechs Jahren den ersten Planeten außerhalb des Sonnensystems. Kürzlich stiftete er in Potsdam einen mit 2500 Euro dotierten Nachwuchspreis für Astrophysiker aus der Region Berlin-Brandenburg.

Herr Mayor, wie war Ihnen zumute, als Sie, zusammen mit Didier Queloz, erstmals einem Planeten außerhalb des Sonnensystems auf der Spur waren?

Der erste Gedanke war: Da gibt es wohl ein paar Probleme mit unseren neuen Instrumenten. Also wiederholten wir die Messungen einige Monate später im Juli 1995 - mit dem gleichen Ergebnis.

Trotzdem blieben sie skeptisch.

Wir haben die Daten gedreht und gewendet. Die Interpretation solcher Beobachtungen ist wirklich nicht einfach. Wir haben den Planeten ja nicht direkt gesehen, sondern nur die Änderung der Radialgeschwindigkeit eines Sterns beobachtet. Wir haben ein Jahr mit einer Veröffentlichung gewartet. Aber am Ende blieb als einzige Erklärung übrig, dass der Stern 51 Pegasi einen leichten Kompagnon hat.

Der so leicht gar nicht ist.

Es ist ein sehr ungewöhnliches Objekt, ein sehr heißer Jupiter. Er liegt viel näher an seinem Stern als unser innerster Planet Merkur an der Sonne und umkreist ihn in nur 4,23 Tagen. Und eines der großen Rätsel war: Kann ein Riesenplanet so nah am Stern entstanden sein?

All Ihre Kollegen beantworteten diese Frage mit einem klaren Nein. Den von Ihnen beobachteten Planeten hätte es nach Meinung der Fachwelt gar nicht geben dürfen ...

ja, aber sehr bald lag ein theoretisches Modell vor, das plausibel machte, wie der Planet weiter außen entstanden und dann erst später in die Nähe des Sterns gelangt sein könnte. Solange um einen Stern herum noch eine Scheibe aus Staub und Gas existiert, kann ein Planet wohl nach innen wandern und ganz nah an den Stern herankommen.

Planeten könnten demzufolge eine sehr wechselhafte Geschichte haben?

Auf jeden Fall! Unsere Entdeckungen haben die Vorstellungen der Astrophysik in dieser Hinsicht völlig verändert. Wir haben in den vergangenen Jahren Sterne in Begleitung von bis zu sieben Planeten gesehen. Und wenn in einem fernen Sonnensystem sehr viele schwere Planeten existieren, dann kann die Wechselwirkung zwischen ihnen so stark werden, dass der eine oder andere Planet aus dem System ausgestoßen wird. Ich bin mir sicher, dass so etwas geschieht.

Wie viele Sterne, schätzen Sie, sind tatsächlich von Planeten umgeben?

Ich würde sagen so gut wie alle: fast 100 Prozent.

Welches Instrument wird das erste richtige Foto von einem Planeten machen können? Gibt es dieses Instrument vielleicht schon?

Normalerweise überstrahlt das Sternenlicht den unscheinbaren Planeten völlig. Wir haben aber eine kleine Chance, eine Planetenaufnahme im Infrarotlicht zu machen, wenn wir einen Planeten finden, der noch sehr jung ist. Dann ist nämlich der Helligkeitsunterschied zwischen dem Stern und dem Planeten noch nicht ganz so groß. Es wäre dann immer noch schwer, den Planeten zu sehen, aber immerhin schon etwas leichter.

Und wann wird man die ersten erdähnlichen Planeten aufspüren können?

Mit der aktuellen Technik haben wir keine Chance, so kleine Planeten zu entdecken. Aber die Ingenieure sind sich sicher, dass dies vom Weltraum aus gelingen wird.

Wird man dann auch sagen können, ob es Lebewesen auf fernen Planeten gibt?

Wir werden vielleicht in 20 Jahren dazu in der Lage sein, Leben auf einem Planeten nachzuweisen - selbst wenn wir kein Bild von dem betreffenden Planeten machen können. Wir müssen dazu das Licht des Sterns ausblenden. Und wenn wir dann Sauerstoff im Lichtspektrum des Planeten finden, dann könnte dies bereits eine Bestätigung für Leben sein.

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