Gesundheit : Allergisch gegen Euro-Münzen Aus Geld löst sich Nickel, mehr als mancher auf Dauer verträgt

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Vom „giftigen Euro“ und „hyperallergenen Geld“ war zu Beginn dieses Jahres die Rede. Denn für Nickel-Allergiker hatte sich mit der Einführung des Euro nicht viel zum Besseren gewendet.

Jetzt gießen Schweizer Wissenschaftler neues Nickel in die Debatte. Sie haben nachgewiesen, dass die Ein- und Zwei-Euro-Münzen bis zu 320mal mehr Nickel freisetzen, als nach europäischen Bestimmungen für Materialien erlaubt ist, die längere Zeit mit der Haut in Berührung kommen. Die Werte gehörten zu den höchsten, die je an Münzen gemessen wurden, berichten die Metallurgen Hannes und Markus O. Speidel von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Dermatologe Frank O. Nestle von der Universität Zürich im Fachmagazin „Nature“ (Band 419, Seite 132).

Dabei ist der Nickel-Anteil der Münzen nicht sonderlich hoch. Der gelbe, äußere Ring der Ein-Euro-Münze besteht aus einer Kupfer-Legierung mit einem Anteil von 20 Prozent Zink und nur fünf Prozent Nickel. Beim weißen, inneren Kern sind es dagegen rund 25 Prozent Nickel. Die so beschaffenen Geldstücke gelten als besonders fälschungssicher.

Die Verwendung zweier nickelhaltiger Legierungen bringt der Schweizer Studie zufolge jedoch erhebliche Nachteile für Allergiker mit sich. Denn sie führt zu einer überraschend starken Korrosion der Münzen. Dem Schweiß der Handflächen ausgesetzt, baut sich zwischen innerem Kreis und äußerem Ring eine Spannung auf. Sie beträgt 30 bis 40 tausendstel Volt. Und diese Spannung und die damit verbundene Energie fördern die Freisetzung des Nickels – ähnlich den elektrochemischen Vorgängen in einer Batterie oder der Korrosion von Eisen zu Rost.

Das Metall löst sich folglich schneller auf. Das Geld gibt erheblich mehr Nickel ab, als etwa für Mode-Schmuck nach EU-Richtlinien gestattet ist. Für Münzen gelten diese Richtlinien aber nicht, da der Kontakt mit Geld in der Regel nur von kurzer Dauer ist.

Die Schweizer Forscher überprüften die Wirkung der Münzen im Anschluss an ihre Experimente, indem sie Allergikern das Geld auf die Haut klebten. Nach zwei bis drei Tagen hatten alle Patienten starke Rötungen, juckende Bläschen bildeten sich auf der Haut.

Gibt es also mittlerweile mehr Nickel-Allergien? „Bisher haben wir eine Zunahme in unserer Klinik nicht feststellen können“, sagt Constantin Orfanos vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin.

Insbesondere Frauen, die gerne Modeschmuck tragen, leiden aber an einer Überempfindlichkeit gegen Nickel. Und es bleibt fraglich, ob auch nickelhaltiges Geld bei zuvor nicht betroffenen Personen solche Allergien auslösen kann. „Spätestens jetzt brauchen wir endlich umfassende Studien über das prozentuale Vorkommen und die Ursachen von Nickel-Allergien“, sagt der Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen, Thomas Fuchs.

In anderer Hinsicht scheint der Euro jedoch weniger gesundheitsschädlich zu sein als etwa US-Cents. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuchten kürzlich, wie schwer der Euro Kleinkindern im Magen liegt. Münzen sind nämlich die mit Abstand am häufigsten von Kindern verschluckten Fremdkörper.

Wie Oliver Muensterer und Claus-Peter Wallner im Deutschen Ärzteblatt ausführten, bilden amerikanische Ein-Cent-Stücke durch Korrosion in der Magensäure schon nach wenigen Tagen scharfe Ecken und Kanten. Giftiges Zinkchlorid gelange dabei in den Körper, so dass die Münzen nach ein bis zwei Tagen entfernt werden sollten.

Die Euro-Münzen dagegen seien bekömmlicher. Veränderungen wie bei den US-Cents konnten die Forscher bei einem Labor-Experiment auch nach sieben Tagen nicht feststellen. Thomas de Padova

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